Im Land der vierzig Räuber

Als ich gestern unseren afrikanischen Metzger, Br.Damas, traf, trug er eine Kappe mit dem kenianischen Wappen. Ich fragte scherzhaft: „Oh, bist du Kenianer ?“ Er antwortete mit einem ziemlich bösen Scherz: „Nein, ich bin nur einmal hingefahren, um meine Stimme bei der Wahl abzugeben“. Das war eine Anspielung auf die Dezember-Wahl in Kenia, die von Wahlfälschung und anschließender brutaler Gewalt gekennzeichnet war. Nachdem mehr als 1000 Bürger umgebracht worden waren, einigten sich die Parteien auf eine Regierung mit 40 Ministern. Warum braucht man so viele ? Damit alle „wichtigen“ Personen ein Ministeramt bekommen, in dem sie sich nach Herzenslust auf Staatskosten bereichern können. Gute Beamte folgen natürlich dem Vorbild der Regierung, und das sieht dann so aus: Sonntag vor vier Wochen, abends halb Acht. Unser total verspäteter Bus (siehe Deutsche und afrikanische Organisation) hat gerade die Grenze überquert, nach wenigen Metern in Kenia hält uns die Polizei schon wieder an. Ein Polizist steigt ein, kontrolliert jeden einzelnen Pass im Bus. Als er zu drei Vierteln durch ist, verliert unser Fahrer die Geduld (Ich bezweifle, dass er den Zeitpunkt dafür besonders gut gewählt hat): „Was soll das jetzt ? Wir wollen weiterfahren.“ Der Polizist daraufhin: „Alle nochmal aussteigen !“ Ich fühle mich an die Volkspolizei eines inzwischen untergegangenen Staates in Ostdeutschland erinnert. Allerdings fehlt diesem Polizisten anscheinend die Fähigkeit zur Einschüchterung, die seine DDR-Kollegen so gut beherrschten. Einige Fahrgäste machen zwar Anstalten, seiner Anordnung zu folgen, doch die anderen ermahnen sie, sitzenzubleiben. Dennoch steigt die Spannung, während der Polizist draußen mit dem Schaffner verhandelt. Nach ein paar Minuten trennt man sich mit lachenden Gesichtern, die Fahrt geht weiter. Hat der Schaffner bezahlt, damit der Polizist auf die zeitraubende Kontrolle verzichtet ? Dann dürfte aber eigentlich der Schaffner nicht lachen. Oder hat der Polizist einfach nachgegeben ? Dann dürfte eigentlich er nicht lachen.

Zwei Wochen vorher hatte eine junge, nett aussehende Polizistin dasselbe Spiel gespielt, allerdings in der Gegenrichtung, also auf der Fahrt von Nairobi zur Grenze. Damals war der Fahrer sichtbar empört gewesen, es war klar, dass er hatte zahlen müssen, um nicht für lange Zeit am Weiterfahren gehindert zu werden. Kenia steht im Korruptionsindex auf der zweitschlimmsten Stufe, eine Stufe unter Tansania.

Das Foto zeigt eine andere Seite Kenias, aufgenommen aus dem Bus: Endlose Steppen, darin ein paar Punkte, nämlich die Massai und ihre Rinder. Es heißt, auch die Massai würden sich gerne als Räuber betätigen, vor allem als Viehräuber.

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