Archive for Juli 2008

Afrikanische Einheit

31. Juli 2008

Die frühere „Organisation für Afrikanische Einheit“ ist inzwischen in „Afrikanische Union“ umbenannt worden, ist aber trotz ihres Namens in sich völlig zerstritten. Kein Wunder: Sie umfasst alle Staaten des Kontinents, und die sind untereinander ziemlich verschieden. Als es beim Benediktinischen Jugendkongress hieß, „die Afrikaner“ sollten den Gottesdienst am Sonntag gestalten, war ich etwas skeptisch. Immerhin waren da eine Schülerin aus Uganda, drei Delegierte aus Südafrika, von denen einer aber namibischer Staatsbürger ist, vier aus Kenia, von denen einer Ugander ist, und zehn aus Tansania, von denen ich Deutscher bin. Doch alles lief völlig reibungslos: Sr.Placida (Kenia) übernahm die Führungsrolle und die Tansanier wussten sehr schnell, welche Lieder aus dem tansanischen Standardrepertoire gesungen werden sollten. Die Südafrikaner waren nur zu dritt, außerdem konnten sie nichts verstehen, wenn die Tansanier und Kenianer sich auf Suaheli unterhielten, wurden aber trotzdem nicht an den Rand gedrängt, sondern bekamen zwei Lieder auf Zulu (eine der elf Nationalsprachen Südafrikas). Sogar für ein Lied auf Luganda reichte es noch, damit die Uganderin auch repräsentiert war.

Ich frage mich, ob 10 Österreicher, 4 Deutsche, 1 Holländerin und 3 Norweger wohl auch so gut zusammengearbeitet hätten. Es scheint wirklich so etwas wie eine gemeinsame afrikanische Kultur zu geben, und die Afrikaner wissen natürlich auch, dass sie zusammenhalten müssen, weil ihre Länder wirtschaftlich sehr schwach sind. Dass alle (mehr oder weniger) Englisch können, hat die Sache ebenfalls sehr erleichtert.

Das Foto zeigt die Gabenprozession, vorne Prisca und Tumaini aus meinem Physik-Kurs. Der spezielle Gruß geht heute an Elisabeth und Carolin, die bis letztes Jahr bei mir Physik hatten, und ebenfalls auf dem Foto zu sehen sind (Carolin mit Kamera und Elisabeth links neben ihr).

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Noch ein paar Fotos

31. Juli 2008


Bevor ich die Artikelserie über Australien abschließe und wieder zu meinem eigentlichen Thema, nämlich Tansania, zurückkehre, muss ich doch noch ein paar Fotos loswerden. Zum Programm des International Benedictine Youth Congess gehörte nämlich auch ein Besuch im Zoo. Beachte das dritte Ohr auf dem ersten Foto.

Diesen Artikel wollte ich eigentlich gestern schreiben, aber wir hatten einen Internet-Ausfall.

„Wir haben ja noch sieben Reifen“

29. Juli 2008

Für die Busfahrt am Freitag hatten wir wieder Sumry gewählt. Außer Sumry gibt es noch eine andere Busgesellschaft, die diese Strecke bedient, nämlich SuperFeo. Am späten Nachmittag überholte uns der Bus von SuperFeo, und ich sagte halb im Scherz zu meiner Nachbarin, „Beim nächsten Mal nehme ich SuperFeo.“ Sie darauf: „Das würde ich nicht tun, die Busse von SuperFeo haben immer Pannen.“ Naja, am selben Morgen hatte unser Bus mit kochendem Kühlwasser an einem Brunnen mit Handpumpe gehalten, der Mechaniker hatte Kühlwasser nachgefüllt und das Kühlsystem einmal durchgelüftet, bevor wir weiterfahren konnten. Über den Achsbruch auf meiner ersten Reise mit Sumry habe ich bereits geschrieben.

Auf der Hinfahrt nach Dar es-Salaam vor drei Wochen (natürlich mit Sumry) gab es unterwegs einen lauten Knall und danach immer wieder ein klopfendes Geräusch. Ein Fahrgast meinte, da sei wohl ein Reifen geplatzt, aber der Bus hätte ja noch sieben weitere Hinterreifen (zwei Hinterachsen mit jeweils vier Reifen). Genauso war es. Auch der Fahrer sah in dem einen geplatzten Reifen keinen Grund, die Fahrt zu unterbrechen. Die Pannenquote von Sumry liegt also bei 100 %, allerdings führte nur der Achsbruch zu einer nennenswerten Verspätung. Dar Express (zwei Fahrten auf der Strecke Nairobi – Dar es-Salaam) hatte dagegen nur eine Pannenquote von 50 %: Das war die Sache mit dem Motor, der fünf Stunden lang nicht ansprang. Einmal bin ich auch mit Spider nach Nairobi gefahren. Da gab es keine Panne, dafür aber eine unerklärte, sehr langsame Fahrweise, die zu mehreren Stunden Verspätung führte. Und dann war noch die Fahrt von Iringa nach Dar mit dem Bus der Gesellschaft, deren Namen ich mir nicht merken konnte, wo die Heckscheibe sich aus der Halterung löste. Fazit nach sieben Fahrten mit dem Fernbus: Sechsmal gab es irgendein Problem, dreimal eine Verspätung von mehreren Stunden. Das klingt nicht besonders gut, aber bei  meinen letzten Urlaubsreisen in Deutschland sah die Deutsche Bahn nicht viel besser aus. Trotzdem: Busfahren macht hier echt Spaß, nicht zuletzt wegen der Landschaft (siehe das Foto, das ich auf der Fahrt ohne Heckscheibe gemacht habe).

Die helle Seite der Australier

28. Juli 2008

Mein letzter Artikel („Nie wieder Australien !“) war sicher ein Beispiel dafür, wie man die Wahrheit sagen und trotzdem einen völlig falschen Eindruck vermitteln kann. Ich habe die Reise von der ersten bis zur letzten Minute genossen, das Busfahren auf den Landstraßen Tansanias und Kenias, die Flüge, das Lachen unserer Schülerinnen, die Gespräche, das Wiedersehen mit Menschen, die ich zu lange nicht gesehen hatte, die frische Luft, die Harbour Bridge und das Opernhaus (auf dem oberen Foto der weiße Fleck im Hintergrund), die Gottesdienste, die Nacht draußen und die Fahnen aus der ganzen Welt.

Nicht zu vergessen die großartige Gastfreundschaft der Australier. Unsere Schülerinnen erhielten diverse Schlafsäcke und Jacken geschenkt, viele haben uns gesagt, wie froh sie sind, dass wir gekommen sind. An einem Nachmittag (Donnerstag, 17.7.) habe ich mich abgesetzt, um nach Leura in die Blue Mountains zu fahren. Als ich vom Bahnhof wegging, war nur ein einziger Mensch in der Nähe. Und der sah so aus, dass ich zunächst etwas zögerte, bevor ich ihn fragte: „Wo kann man denn hier ein paar schöne Fotos von der Landschaft machen ?“ Seine Reaktion übertraf dann aber alles, was ich bisher an australischer Gastfreundschaft erlebt hatte: „Ich stelle eben meine Tasche bei meiner Mutter ab, dann zeige ich dir die schönsten Stellen.“ Also nahm Geosh (keine Ahnung, ob man den Namen so schreibt) sich eine ganze Stunde Zeit, zeigte und erklärte mir die Gegend. Dass er für Fantasy-Literatur schwärmt und selbst schreibt, konnte ich angesichts der Landschaft um uns herum gut verstehen, siehe das Foto unten.

Nie wieder Australien !

28. Juli 2008

Dass ich mich zu lange auf die Informationen aus Australien verlassen hatte, und unsere Reise deshalb fast an den Visa gescheitert wäre, habe ich schon geschrieben. Das Spielchen „Folge meinem Hinweis, gehe in die Sackgasse !“, setzte sich in Australien fort, egal ob es sich um die verlegte Bushaltestelle, um das Büro des Weltjugendtages oder um andere Auskünfte handelte. Besonders bleibt mir die Odyssee über das Gelände des Abschlussgottesdienstes am Samstag Mittag in Erinnerung. P.Bonifaz aus Südafrika und ich suchten nur das Info-Zelt. Ständig fragten wir freiwillige Helfer, die meistens auf eine Gruppe von Zelten irgendwo in der Ferne zeigten. Wenn wir der angezeigten Richtung folgten, landeten wir regelmäßig an einem Fahrweg, der von der Polizei gesperrt war und sich nicht überqueren ließ. Als wir schließlich nach endlosem Hin und Her doch bei den Zelten angekommen waren (waren es wirklich noch dieselben Zelte, oder waren wir so verwirrt, dass wir bei anderen Zelten landeten ?), stellte sich heraus, dass man dort Getränke und T-Shirts kaufen konnte, zur Anbetung oder Beichte gehen konnte, aber absolut keine Information bekam.

Auf dem Heimweg am Sonntag dann landeten wir beim Versuch, den Hauptbahnhof zu verlassen, wieder in einem ähnlichen Geflecht von Polizeisperren. Ich war ziemlich müde und beschloss spontan: „Nie wieder Australien !“

In Kanada gibt es die berühmte Royal Canadian Mounted Police, also die Polizei zu Pferde. Ob die Polizisten auf dem Foto wohl „Royal Australian Mounted Police“ heißen ?

Angekommen

26. Juli 2008

Gestern Abend bin ich wieder in Peramiho angekommen. Die Menschen, mit denen ich in den letzten drei Wochen gute Gespräche hatte, müssten inzwischen auch angekommen sein, in Südafrika (Kapstadt und Inkamana), in Kalifornien (Woodside), in Deutschland (Meschede und verschiedene Orte in Bayern), in Neuseeland, in Kenia (Nairobi), in Uganda (Jinja) und an vielen Orten Australiens. Komisches Gefühl, dass wir plötzlich wieder über die ganze Welt verteilt sind. Aber das war für mich das Faszinierendste am Weltjugendtag: Es war wirklich fast die ganze Welt vertreten. Irgendjemand (ich glaube, es war Kevin Rudd, der australische Premierminister) hat beim Eröffnungsgottesdienst gesagt, dass es früher meist die Kriege waren, die junge Leute dazu brachten, massenweise in andere Länder zu ziehen. Umso schöner, dass man heute die Fahnen zeigen kann, ohne aufeinander zu schießen.

Rueckfahrt

24. Juli 2008

Morgen geht es per Bus zurueck nach Peramiho. Drei Wochen war ich unterwegs, ich habe drei SIM-Karten fuer mein Handy (Tansania, Kenia und Australien) in meiner Tasche und hatte bis heute Morgen sechs Waehrungen in meinem Portemonnaie (Tansanische Schillinge, kenianische Schillinge, suedafrikanische Rand, australische Dollar, US-Dollar und Euro).

Also: Dann gibt es das Blog wieder regelmaessig, dann kann ich auch Fotos wieder ohne Probleme einfuegen und es gibt endlich wieder unsere schoenen deutschen Umlaute.

Es gibt schlimmere Laender

24. Juli 2008

Wenn man hier in Dar es-Salaam ueber die kaputten Buergersteige steigt, koennte man denken, dass Tansania ein Land mit Problemen waere. Zu den Eindruecken aus Sydney gehoeren aber auch Gespraeche mit Leuten, deren Laender ganz andere Probleme haben. Da waren die Benediktinerinnen aus Kiribati (sprich Kiribess; vorher wusste ich auch nicht, wo das liegt). Sie stellten ihr Land mit einem Tanz vor, der wegen der malerischen Suedsee-Kostueme nicht so schnell vergessen werden wird. Die gesprochene Botschaft dazu kam allerdings nicht rueber, weil Sr.Claire (Foto) in Traenen ausbrach: Wegen des Klimawandels wird das Land in einigen Jahrzehnten vom Pazifik ueberspuelt werden.

Am Samstag kam ich mit einer jungen Frau ins Gespraech, die vor 12 Jahren aus dem Irak zum Studium nach Neuseeland gekommen ist. Ihre ganze Familie ist im letzten Jahr nachgekommen, denn Christen werden im Irak derzeit getoetet oder vertrieben. Sie selbst trug die neuseelaendische Fahne, aber in ihrer Gruppe war auch eine irakische Fahne zu sehen.

Von den Exil-Vietnamesen, die in Massen mit der alten suedvietnamesischen Fahne auftauchten, habe ich schon berichtet. Bei dem Zwischenstopp in Johannesburg auf dem Hinflug habe ich mir ein Buch von einem anscheinend ziemlich verrueckten Suedafrikaner gekauft, „Around Afrika on my Bicycle“. Darin beschreibt er recht eindringlich katastrophale Zustaende in einer Menge afrikanischer Staaten. Auch dies ein Erkenntnis des Weltjugendtags: Es gibt viele Laender, denen es viel schlechter geht als Tansania.

Grenzen koennen so einfach sein

22. Juli 2008

Die Einreise nach Australien habe ich als sehr kompliziert in Erinnerung: Australien hat eine einzigartige Tierwelt (Fotos kommen noch), daher wird die Einfuhr von organischen Stoffen streng kontrolliert. Und „streng“ heisst in Australien wirklich streng. Die Tansanier hatten einige Holzschnitzereien als typische Produkte ihres Landes mitgebracht. Jede einzelne wurde kritisch begutachtet, durfte dann aber passieren. Sr.Placida hatte einen Tag spaeter weniger Glueck: Sie hatte eine Trommel fuer den Einsatz im Gottesdienst mitgebracht. Und afrikanische Trommeln sind nicht nur aus Holz, sondern auch mit Tierfell bespannt. Die Trommel wanderte vor ihren Augen in die Muelltonne. Dass P.Daudi, der zusammen mit ihr aus Nairobi gekommen war, zwei Stunden lang festgehalten wurde, lag nicht daran, dass er auch aus organischem Material besteht, sondern daran, dass er jemandem aehnlich sah, der kurz vorher ausgewiesen worden war.

Bei der Ausreise gestern: Prisca, eine Schuelerin aus meiner Physikklasse, hatte eine dieser Kugeln gekauft, in denen eine Fluessigkeit dafuer sorgt, dass es „schneit“, wenn man sie umdreht. Der Sydney Tower war darin zu sehen. Ich hatte die Gruppe vorher noch darauf hingewiesen und wiederhole es hier fuer alle, die es immer noch nicht wissen: Mehr als 100 ml Fluessigkeit im Handgepaeck sind verboten. Nicht dass ich besonders viel Verstaendnis fuer diese Art von Kitsch haette, aber als die Kugel dann vor ihren Augen in die Muelltonne wanderte, hatte ich ziemlich viel Verstaendnis fuer Priscas Traenen.

Heute Mittag sind wir wieder in Dar es-Salaam eingetroffen, nach einer langen und schoenen Reise. Nichts weiter als Einreisekarte ausfuellen, Pass abstempeln lassen, Koffer holen, bei „Nothing to declare“ durchgehen – Grenzen koennen so einfach sein !

Deutschland : USA – 7 : 2

17. Juli 2008

Heute Morgen habe ich einigen Widerspruch zu meiner Beobachtung geerntet, die deutsche Fahne sei von allen auslaendischen am haeufigsten vertreten. Das waere die amerikanische, wurde mir gesagt. Ich habe daraufhin heute Abend mal gezaehlt: 7 deutsche Fahnen, 2 amerikanische. (Allerdings sagen die Statistiker, dass eine Zaehlung von so wenigen Fahnen nicht sehr aussagekraeftig ist.)

Eine gelbe Fahne mit drei schmalen roten Streifen kannte ich noch nicht und habe nachgefragt: „Vietnam“ Am Abend kam ich dann zufaellig mit einer australischen Vietnamesin (oder vietamesischen Australierin ?) ins Gespraech und erfuhr, dass das die alte vietnamesische Fahne ist. Mit der heutigen Fahne des kommunistischen Vietnam sollte man sich in den zahlreichen vietnamesischen Vierteln Australiens wohl besser nicht sehen lassen, denn hier leben die Vietnamesen, die nach dem Vietnamkrieg vor den Kommunisten geflohen sind. Meine junge Gespraechspartnerin traegt daher lieber gar keine Fahne, um nicht diese politische Spaltung zum WJT zu tragen. Die Fahne des aktuellen Vietnam habe ich hier uebrigens noch nicht gesehen.