Wo die Welt noch in Ordnung ist

Hier in Dar es-Salaam habe ich immer das Gefuehl, dass man gegenueber Haendlern und Taxifahrern besser auf der Hut ist, obwohl ich noch keine wirklich schlechte Erfahrung gemacht habe. Vor einer Woche sah das anders aus, da waren wir in Mbamba Bay. Dieses Dorf liegt am riesigen Nyassa-See. Eine einzige Strasse fuehrt dahin. Die letzten 50 km auf dieser Strasse waren einfach wunderbar. Wir haben uns am Steuer des Landrovers abgewechselt und die Herausforderung fuer Mensch und Material genossen. Weiter kommt man nur mit dem Schiff, das faehrt freitags, wenn es nicht gerade ausfaellt. Das Hotel liegt traumhaft und ist sauber, dennoch waren wir die einzigen Gaeste. Dass es jeden Abend Fisch und Wassergemuese gibt, war wohl nicht der Grund fuer die wenigen Gaeste, sondern eben die schwierige Anreise (Wir haben fuer 3 Personen und 2 Naechte mit Halbpension 120.000 Shilling bezahlt, also 70 Euro – alles zusammen).

Ein Haendler im Ort hat einen grossen Stand mit Bananen, die meisten ziemlich gruen. Wir zeigen auf ungefaehr fuenf gelbe, gut aussehende Bananen und fragen nach dem Preis. 300 Shilling (weniger als 20 Cent). Wir verzichten auf’s Feilschen. Er packt uns die Bananen ein und legt noch weitere fuenf gelbe, gut aussehende Bananen dazu, ohne den Preis zu erhoehen. Die Bananen schmecken auch gut.

Wir wollen zum Strand. Der Fahrweg laeuft ungefaehr parallel zum Ufer und wird immer schlechter. Wir steigen aus, um zu Fuss zum Strand zu kommen. Ein Mann ruft uns zu, „Da ist es sehr weit.“ Er steigt zu uns ins Auto und lotst uns weiter den Weg entlang. Das letzte kurze Stueck gehen wir dann doch zu Fuss. Er fragt, ob wir Dr.Weyer kennen. Diese grosse deutsche Aerztin, die das Krankenhaus in der Region aufgebaut hat, kenne ich nur vom Hoerensagen, aber immerhin kenne ich einen ihrer juengeren Kollegen. Er zeigt auf seinen verletzten Fuss, um zu erklaeren, warum er humpelt. Ich erwarte jetzt eine Bitte um Geld, das er auch sicher verdient haette. Ich will es ihm erleichtern, bedanke mich fuer seine Hilfe und benutze dabei selbst das Stichwort „msaada“ (Hilfe, Unterstuetzung), das immer faellt, wenn jemand Geld haben will. Er geht darauf nicht ein, sondern verabschiedet sich und humpelt den nicht ganz kurzen Weg zurueck. Ich habe den Eindruck, er hat es einfach aus Hilfsbereitschaft getan, und ich haette ihn beleidigt, wenn ich ihm direkt etwas angeboten haette. Immerhin hat ein aelteres Handy dabei, ist also wohl nicht absolut arm. Ein erfahrener Missionar, dem ich diese Geschichte spaeter in Peramiho erzaehle, meint, dass meine Deutung wohl stimmt.

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Eine Antwort to “Wo die Welt noch in Ordnung ist”

  1. Abbitte « Ein Mescheder in Afrika Says:

    […] Unter Wo die Welt noch in Ordnung ist habe ich geschrieben, dass man in Dar es-Salaam gegenüber Händlern und Taxifahrern besser auf der […]

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