„Sollen die Ferien schon Samstag anfangen ?“

Dass Afrikaner sehr kurzfristig planen, ist ein Vorurteil. Für das 40-jährige Schuljubiläum im Oktober zum Beispiel sind die Planungen schon weit fortgeschritten.
Gestern (Dienstag) Morgen sitze ich an der Korrektur des Abschlusstests. Ich hoffe, bis Sonntag fertig zu werden. Das Telefon schellt, die Schulsekretärin ruft an: „Habari za leo ? (Wie geht’s)“ – „Nzuri, habari za shule ? (Gut, wie geht’s an der Schule ?)“ – „Nzuri, sasa …“ (Sasa heißt wörtlich „jetzt“, dient aber vor allem als Signal, dass das Gespräch jetzt ernst wird) „… wir warten auf deine Noten.“ – „Ich bin noch nicht fertig mit Korrigieren. Die Zeugniskonferenz ist doch erst Montag.“ – „Nein, die Zeugniskonferenz ist übermorgen, und die Klassenlehrer brauchen die Noten.“ – „Wieso erfahre ich das erst heute ?“
Rechtzeitige Information klappt in diesem Land grundsätzlich nicht. Ich weiß das inzwischen, und hatte mir deshalb schon lange vorgenommen, mich nicht mehr aufzuregen. Bei diesem Anruf bricht der gute Vorsatz zusammen.
Heute morgen bei der Teepause im Lehrerzimmer stelle ich fest, dass ich mich umsonst geärgert habe: Die Kollegen sind auch nicht fertig mit den Korrekturen. Der Grund des Chaos ist das ausgefallene „mock exam“ (siehe Artikel „Das Abitur fällt aus“). Die Schulleiterin möchte nicht, dass die Schülerinnen ohne Beschäftigung bis zum staatlich festgelegten Ferienbeginn Mittwoch nächster Woche in der Schule bleiben und hat deshalb den Ferienbeginn einfach auf Samstag vorverlegt, ohne Absprache mit den Lehrern. Das wird also heute in der Teepause diskutiert, und nach einer Viertelstunde kommt der offensichtliche Kompromiss heraus: Am Montag gibt’s Ferien. Dass die Schulleiterin einen Fehler gemacht hat, kommt dabei übrigens nicht zur Sprache, weder deutet sie so etwas an, noch sagen die Lehrer etwas gegen ihre vorschnelle Entscheidung. Die Diskussion bleibt bei den Sachfragen, z.B.: Wie schnell können die Korrekturen erledigt werden ? Wann müssen die Busfahrkarten gekauft werden ?
Erste Erkenntnis des Tages: Afrikaner planen wirklich oft kurzfristig. Das hat aber den Vorteil, dass man noch in letzter Minute über alles sprechen kann.
Zweite Erkenntnis des Tages: Sich zu ärgern lohnt sich wirklich nicht. Man kann nämlich über alles noch reden.

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