Kwayajahreshauptversammlung

Der „Tag der Arbeit“ heißt hier „Tag der Arbeiter“, und zum ersten Mal gehöre ich auch zu der Gruppe der „Arbeiter“, denn dazu zählen hier alle, die nicht „Bauer“ oder „Händler“ sind. Ich hatte mich also auf einen ruhigen Tag gefreut. Gestern morgen fand ich dann eine Einladung zur Jahreshauptversammlung des Kwaya in meinem Postfach. „Kwaya“ wird so ausgesprochen wie das englische „choir“, bedeutet also „Chor“. In der Einladung steht, dass die Hauptversammlung um 7:15 Uhr morgens mit der Messe in der Kirche beginnt und dann „Frohsinn und Verschiedenes“ in der Aula der Berufsschule folgt. Ich gehe also um 9:45 Uhr zur Aula und rechne damit, dass ich eine Stunde später wohl wieder zurück sein werde. Erst gibt es die Wahlen zum Vorstand, dann eine Tanzeinlage, zwischendurch immer wieder Musik. Der Lehrer zwei Plätze links von mir hält eine Rede, wieder Musik, dann ist der Lehrer unmittelbar links von mir dran. Ich weiß inzwischen, dass ich mich auf die afrikanischen Gastgeber verlassen kann: Sie werden mir nicht zumuten, eine Rede zu halten, die ich vielleicht gar nicht halten kann. Sie werden mir aber die Ehre, eine Rede zu halten, die ich vielleicht doch halten kann, auch nicht so einfach verweigern. Aber mich zu fragen, ob ich mir die Rede denn zutraue, ist auch nicht wirklich afrikanisch. Ich frage Br.Alfons, meinen rechten Nachbarn, nach der Toilette. Er sagt dem Vorsitzenden, dass der mich zur Toilette führen soll. Und der nutzt die Gelegenheit, mich dann doch zu fragen: „Willst du dich ein wenig mit ihnen unterhalten ?“ (Das geht mir ständig so: Ich verstehe die Wörter, aber sie bedeuten etwas anderes, als im Wörterbuch steht. Ich brauche einige Zeit, um zu verstehen, dass das entsprechende Wort diesmal wohl „zu ihnen sprechen“ bedeutet, und nicht „mit ihnen unterhalten“). Es reizt mich dann doch, zum ersten Mal eine Rede auf Suaheli zu halten, obwohl ich etwas nervös bin.

Das Foto zeigt die Vorführung des Feuerschluckers bei der Jahreshauptversammlung.

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