Archive for Mai 2008

Blasmusik

30. Mai 2008

Wo wollen die denn hin ?, fragte ich mich, als ich die Blaskapelle auf der Ladefläche ihres zerbeulten Autos sah. Das war bei dem Fotostudio, wo die Hochzeitsgesellschaft nach der Messe einen Zwischenstopp einlegte. Sie fuhren dann vor unserem Autokonvoi her und ersetzten das Hupkonzert. Eine eindrucksvolle Leistung für die Lungen, denn die Fahrt vom Fotostudio bis zum Ziel, der „Twiga Hall“, dauerte eine knappe Stunde (der Fortschritt zeigt sich auch in Tansanias durch Staus), zwischendurch gab es immer wieder leichten Regen. Also: Afrikanischer Blechbläser ist kein Traumberuf.

Apropos Autos: Privatautos sind in Tansania ein ziemlicher Luxus, keiner der Lehrer in Peramiho hat eins, und von den Ärzten am Krankenhaus haben nur die beiden Chefs Autos. Das Brautpaar fuhr in einer gemieteten Stretch-Limousine, Br.Alfons hatte für 35.000 Shilling (20 Euro) einen Bekannten engagiert, der uns am Nachmittag und in der Nacht hin- und zurückgefahren hat. Die anderen Hochzeitsgäste werden wohl ähnlich gefahren sein.

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Die Hochzeit in der Kathedrale

29. Mai 2008

Als ich die Kathedrale (Bischofskirche) von Dar es-Salaam vor 14 Jahren zum ersten Mal gesehen habe, war ich erschrocken: Sie sieht aus wie der „Sauerländer Dom“ in Neheim oder die Kirche von Bonn-Endenich. Der Stil nennt sich „Neugotik“, weil er ein billiger Abklatsch von gotischen Kirchen (z.B. Kölner Dom) ist. Sie ist von deutschen Benediktinern, also von „unseren Leuten“ nach deutschen Plänen und zum Teil mit deutschen Materialien gebaut worden. Man könnte das als Zeichen dafür sehen, dass die Missionare überhaupt keinen Respekt vor der einheimischen Kultur hatten, sondern einfach den „Eingeborenen“ hier ihre deutsche Kultur übergestülpt haben.

Inzwischen weiß ich mehr als vor 14 Jahren, ich weiß auch, dass die Benediktiner damals keine andere Wahl hatten, denn es gab hier im Land keine großen Gebäude, an denen sie sich hätten orientieren können. Das Bauen von großen Häusern, Tempeln oder Palästen war in der afrikanischen Kultur unbekannt (abgesehen von ein paar Ausnahmen wie den berühmten Ruinen von Groß-Simbabwe, aber die liegen nicht in Tansania). Der erste Bischof in der Kathedrale war übrigens seit 1902 Cassian Spiß, der vier Jahre vorher Peramiho gegründet hatte.

Den heutigen Bewohnern von Dar scheint die Kathedrale jedenfalls zu gefallen, vor unserer Messe mussten wir warten, weil die vorangehende Messe noch nicht zu Ende war, und unmittelbar danach hieß es schon wieder, „Entschuldigung, können Sie jetzt bitte gehen, das nächste Brautpaar wartet.“ Von der Brautmesse selbst gibt es nicht viel zu berichten, es war, wie man auf den Fotos sieht, sehr „europäisch“. „Afrikanisch“ waren nur die Ventilatoren in der Kirche und die wiederholte Aufforderung des Priesters an die Frauen: „Vigelegele !“. Dieses Wort lässt nicht wirklich übersetzen, im Wörterbuch steht „Geheul“, gemeint ist ein ziemlich urtümlicher, hoher Laut, der durch Hin- und Herbewegen der Zunge entsteht. Meine persönliche Theorie ist, dass mit diesem „Geheul“ früher die Löwen vertrieben wurden.

„Sollen die Ferien schon Samstag anfangen ?“

28. Mai 2008

Dass Afrikaner sehr kurzfristig planen, ist ein Vorurteil. Für das 40-jährige Schuljubiläum im Oktober zum Beispiel sind die Planungen schon weit fortgeschritten.
Gestern (Dienstag) Morgen sitze ich an der Korrektur des Abschlusstests. Ich hoffe, bis Sonntag fertig zu werden. Das Telefon schellt, die Schulsekretärin ruft an: „Habari za leo ? (Wie geht’s)“ – „Nzuri, habari za shule ? (Gut, wie geht’s an der Schule ?)“ – „Nzuri, sasa …“ (Sasa heißt wörtlich „jetzt“, dient aber vor allem als Signal, dass das Gespräch jetzt ernst wird) „… wir warten auf deine Noten.“ – „Ich bin noch nicht fertig mit Korrigieren. Die Zeugniskonferenz ist doch erst Montag.“ – „Nein, die Zeugniskonferenz ist übermorgen, und die Klassenlehrer brauchen die Noten.“ – „Wieso erfahre ich das erst heute ?“
Rechtzeitige Information klappt in diesem Land grundsätzlich nicht. Ich weiß das inzwischen, und hatte mir deshalb schon lange vorgenommen, mich nicht mehr aufzuregen. Bei diesem Anruf bricht der gute Vorsatz zusammen.
Heute morgen bei der Teepause im Lehrerzimmer stelle ich fest, dass ich mich umsonst geärgert habe: Die Kollegen sind auch nicht fertig mit den Korrekturen. Der Grund des Chaos ist das ausgefallene „mock exam“ (siehe Artikel „Das Abitur fällt aus“). Die Schulleiterin möchte nicht, dass die Schülerinnen ohne Beschäftigung bis zum staatlich festgelegten Ferienbeginn Mittwoch nächster Woche in der Schule bleiben und hat deshalb den Ferienbeginn einfach auf Samstag vorverlegt, ohne Absprache mit den Lehrern. Das wird also heute in der Teepause diskutiert, und nach einer Viertelstunde kommt der offensichtliche Kompromiss heraus: Am Montag gibt’s Ferien. Dass die Schulleiterin einen Fehler gemacht hat, kommt dabei übrigens nicht zur Sprache, weder deutet sie so etwas an, noch sagen die Lehrer etwas gegen ihre vorschnelle Entscheidung. Die Diskussion bleibt bei den Sachfragen, z.B.: Wie schnell können die Korrekturen erledigt werden ? Wann müssen die Busfahrkarten gekauft werden ?
Erste Erkenntnis des Tages: Afrikaner planen wirklich oft kurzfristig. Das hat aber den Vorteil, dass man noch in letzter Minute über alles sprechen kann.
Zweite Erkenntnis des Tages: Sich zu ärgern lohnt sich wirklich nicht. Man kann nämlich über alles noch reden.

Taxifahrn

28. Mai 2008

Weil die Parkplatzsuche in Dar es-Salaam mit dem Kleinbus, in dem wir von Peramiho angereist sind, aussichtslos ist, hatte ich bei diesem Aufenthalt genügend Gelegenheit, Erfahrungen mit den Taxis zu sammeln.
Taxis sind durch weiße Nummernschilder und weiße Lackierung gekennzeichnet. Es gibt genug davon, auf ein inoffizielles Taxi ohne weißes Nummernschild sollte man sich also nicht einlassen. Privatwagen haben gelbe Nummernschilder.
Bevor man einsteigt, sollte man sich auf den Preis einigen. Von Kurasini in die Innenstadt verlangen die Fahrer anscheinend immer 6000 Shilling, ich habe sie regelmäßig auf 4000 runtergehandelt, P.Meinolf behauptet, er würde nur 2500 zahlen.
Darauf, dass ein Taxifahrer die Stadt kennt, kann man sich nicht unbedingt verlassen. Ich musste zu unserem Internet-Provider, „Lumumba Complex, Lumumba Street 28-31“. Der Taxifahrer kannte die ziemlich lange Lumumba Street. Aber Hausnummern stehen nicht an den Häusern. Kurz vor dem Ende der Straße hielt er an einem Taxistand an, fragte einen Kollegen, fuhr dann um drei Ecken in einen Schulhof an der Nachbarstraße und zeigte auf ein Gebäude: „Das ist der Complex.“ Da stand aber deutlich „Jafferah Complex“ dran, und so habe ich dem Taxifahrer mein Handy in die Hand gedrückt, damit er bei meinem Ziel anrufen konnte und sich den Weg beschreiben lassen konnte. Das lag dann ungefähr 50 m von dem Taxistand entfernt, an dem er seinen Kollegen gefragt hatte.
Die Fahrer sind unterschiedlich gesprächig. Von einem habe ich erfahren, wie sein Geschäft läuft: Das Auto gehört dem Arbeitgeber, der noch ein zweites Taxi hat. Der Fahrer bezahlt das Benzin („Mafuta“), der Arbeitgeber die Reparaturen. Manche sagen, das sei der Grund, warum die Taxifahrer besonders rücksichtslos fahren, ein Unfall kostet sie ja nichts. Pro Tag muss der Fahrer 12 500 Shilling an seinen Arbeitgeber zahlen, der Rest ist sein Einkommen.
Das Bild zeigt das einzige andere öffentliche Verkehrsmittel in Dar: Ein Dala-dala („Dollar, Dollar“). Während die Dala-dala zwischen Peramiho und Songea zuverlässig und unkompliziert sind, habe ich gehört, dass man die Dala-dalas in Dar möglichst meiden sollte, wenn man eine weiße Haut hat. Ich habe den Rat bisher befolgt und kann daher nicht sagen, ob es sich um einen klugen Rat handelt.

Autofahrn

27. Mai 2008

Die Abtei Peramiho beschäftigt zwei Fahrer (auf Suaheli Dreva – man ahnt, aus welcher Sprache dieses Wort kommt). Romuald, der ältere der beiden, hat mir neulich stolz erzählt, dass er schon seit Jahrzehnten für Peramiho fährt, in diversen Nachbarländern war und nächstes Jahr in Rente geht. Auf der Strecke nach Dar es-Salaam fährt grundsätzlich einer der beiden, und zwar wegen der Gefährlichkeit des Verkehrs. Da kann man kilometerweit ruhig mit 120 km/h dahinbrausen und muss dann in einem Augenblick schnell reagieren, weil ein Schlagloch oder ein in der Mitte der Straße fahrender Bus wie aus dem Nichts auftauchen. Ich hatte schon mehrmals Gelegenheit, Romualds Reaktionsvermögen zu bewundern.
Dieses Mal war Athanas der Fahrer, aber schon nach einem Drittel der Strecke, in Uwemba, passierte etwas, was ihm wohl nicht so ganz recht war: Er wurde abgelöst. Br.Alfons ist ja gelernter Automechaniker, und wollte auch mal ans Steuer. Sein Fahrstil ist umsichtig und eher langsam, so dass ich einen deutschen Fahrlehrer vermutete. Tatsächlich: Abt Anastasius hat ihm das Fahren beigebracht. Kurz bevor wir in Dar es-Salaam ankamen, gab Br.Alfons das Steuer dann doch wieder an den Profi zurück – wer einmal durch Dar gefahren ist, wird verstehen, warum.
Auf der Rückfahrt hat es mich dann natürlich auch „gejuckt“, schließlich ist mein tansanischer Führerschein noch keinen Monat alt. Ich habe mir allerdings das Stück von Makambako bis Uwemba ausgesucht, das heißt die gut ausgebaute, aber wenig befahrene Nebenstraße und am Schluss dann etwas Sandpiste. Die Hauptstraße zwischen Dar es-Salaam und Makambako überlasse ich doch lieber anderen.
Das Foto zeigt ein Stück der Hauptstraße, aufgenommen durch die nicht mehr ganz saubere Windschutzscheibe.

Wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt

26. Mai 2008

Bei der Hochzeit letzte Woche hatte ich den Eindruck, unter Leuten zu sein, die ihre Zukunft durchaus selbst in die Hand nehmen können. Also der gesunde Mittelstand, ohne den – wie die Sozialwissenschaftler sagen – ein Staat weder wirtschaftlich noch politisch funktionieren kann. Sie strahlten auch genügend Selbstbewusstsein aus, so dass ich dachte, Tansania könnte vielleicht doch mittelfristig Anschluss an den Rest der Welt finden.
Gestern gab es dann zwei Eindrücke, die mich wieder kräftig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben: Bei der Fronleichnamsprozession hat eine junge Frau aus dem Kirchenchor die Fürbitten vorgelesen. Als sie wieder an ihren Platz ging, fiel mein Blick auf ihre Füße: Der eine war völlig verdreht, so dass sie nur mit den Zehen auftreten konnte. Trotzdem hatte sie an beiden Füßen nur Badelatschen. In normale Schuhe wird ihr Fuß nicht hereinpassen, und orthopädische Schuhe – wer soll die bezahlen ? Am Nachmittag habe ich mich mit Sr.Antonia, der jungen Ärztin unterhalten. Sie kennt die Frau, eine Operation könnte ihr vermutlich helfen, aber unser Krankenhaus hat keinen Orthopäden. Manchmal kommt ein Orthopäde aus Europa für einige Wochen, aber nicht in diesem Jahr. Und dann hat sie noch die Geschichte von dem Mädchen aus Malawi erzählt. Die Eltern haben es über den Nyassa-See (50 km breit), über die Grenze und dann über 150 km im Bus auf schlechten Straßen hierher gebracht. Dreimal musste es bisher operiert werden, es geht ihm schlechter als zuvor.
Das Foto stammt von der Fronleichnamsprozession, die Jungen im Vordergrund muss ich wohl nicht erklären, die Damen mit Rock und Schlips in Hintergrund sind Chormitglieder.

Wie heiratet man in Afrika ?

24. Mai 2008

Auch nicht anders als in Europa. Zwei Tage vor der Hochzeit war das „Send Off“, die Verabschiedung der Braut durch ihre Familie. Inzwischen weiß ich, dass dieser Brauch ursprünglich gar nicht in Afrika üblich war, sondern aus England übernommen wurde. Am Hochzeitstag selbst, Samstag vor einer Woche, war um 14 Uhr die Messe in der Kathedrale, anschließend Autofahrt zum Fotostudio, wo die Brautleute ihr Hochzeitsfoto machen lassen, dann weiter zur „Twiga Hall“ („Giraffen-Saal“), wo dann bis um 1 Uhr weitergefeiert wird, mit Büffet, Reden, Musik und Tanz. Der Bräutigam ist Rechtsanwalt und die Braut anscheinend eine Kollegin in derselben Kanzlei (das habe ich nicht genau herausgefunden), außerdem ist sie die Tochter des Büroleiters des Staatspräsidenten, beiden geht es also finanziell gut – für hiesige Verhältnisse. Unter den Gästen sind aber viele, die so aussehen, als ob sie ihr ganzes Leben mit der Hacke auf dem Maisfeld gearbeitet haben.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, um die Details zu beobachten, die dann doch ziemlich afrikanisch waren. Darüber kommen noch ein paar Artikel. Außerdem habe ich reichlich Fotos gemacht, einige davon habe ich wieder gelöscht, aber es sind noch 320 übrig geblieben, die ich gestern Alfons auf einer CD gegeben habe, der Bräutigam kriegt demnächst auch eine CD, die anderen Verwandten werden mangels Computer auf die Fotos verzichten müssen. Ach, fast hätte ich’s vergessen: Schön war’s auch. Richtig schön.

„Ein Glück, dass du nicht da warst.“

23. Mai 2008

Patrick, der Vorsitzende des TYCS, von dem hier schon öfter die Rede war, liegt mit Malaria im Krankenhaus. Heute Nachmittag habe ich ihn zusammen mit Br.Wolfram, seinem Kollegen in der Elektro-Werkstatt, besucht. Der Einsturz der Außenwand ist immer noch Gesprächsthema (obwohl inzwischen alles schon wieder zugemauert ist). Wolfram sagt mir: „Gut, dass du nicht da warst und ein Foto gemacht hast.“ – „Wieso ?“ – „Wenn du das Foto ins Internet stellst, bringt uns das Schande.“ – „Br.Samuel hat das Foto gemacht und es mir gegeben.“ – „Hast du es schon nach Europa geschickt ?“ – „Noch nicht. Woher weißt du überhaupt, dass ich Fotos ins Internet stelle ?“ – „Ich habe bei Google gesucht.“

Ein Foto, das unsere afrikanischen Brüder als „Schande“ empfinden, möchte ich natürlich nicht ins Netz stellen, obwohl es mir irgendwie leid tut um das spektakuläre Foto. Der spezielle Gruß geht heute an Br.Samuel.

„Die Frage ist, wer schuld dran ist.“

23. Mai 2008

Letzte Woche Mittwoch saß ich in Dar es-Salaam abends mit Br.Alfons und zwei afrikanischen Brüdern aus dem Kloster Ndanda zusammen. Da traf eine SMS von Br.Polykarp aus Peramiho ein: „Die Wand gegenüber vom Abt ist eingestürzt, Leute sind nicht zu Schaden gekommen, aber der Fernsehraum steht ganz offen.“ Wir konnten uns genau vorstellen, was passiert war: Ein neues Pfortengebäude entsteht seit einigen Wochen, die Baugrube war zu nahe an die Außenwand herangerückt, dann kam ein Regen (der im Mai eigentlich mehr fallen dürfte, weil die Regenzeit zu Ende ist), hat die Erde aufgeweicht, und die Außenwand ist auf einer Breite von 3 m eingestürzt. Das Unglück wird hin und her diskutiert, dann fasst einer der Afrikaner zusammen: „Die Frage ist also, wer schuld dran ist.“ Diese Frage kommt mir ziemlich afrikanisch vor. Weil ich weiß, dass auch bei ganz gewöhnlichen Todesfällen oft ein Zauberer aufgesucht wird, um die Frage zu klären, wer schuld war, juckt es mich, zu sagen: „Dann sollten wir einen Zauberer fragen.“ Diese Art von Ironie ist ganz und gar nicht afrikanisch, es gibt eine kleine geschockte Gesprächspause, dann fängt Alfons sich am schnellsten: „Robert, glaubst du denn nicht an Gott ?“

Das Bild zeigt die Baugrube und die Außenwand einige Tage vor dem Einsturz. Die gesamte Wand rechts von den Fenstern ist weggebrochen.

Einkaufen, höhere Stufen

23. Mai 2008

Ich habe vorgestern von einheimischen Kunsthandwerkern und Straßenhändlern geschrieben. Es gibt in Dar es-Salaam natürlich auch noch andere Geschäfte. Die Haupteinkaufsstraße ist die „Samora Avenue“, die auf den „Askari“, den Kreisverkehr mit Soldatendenkmal, zuläuft. So richtig Spaß macht es nicht, die „Samora“ entlangzugehen: Es gibt zwar im Prinzip Bürgersteige, aber Baustellen, Parkplätze und Querstraßen mit chaotischem Verkehr sorgen dafür, dass man ziemlich aufpassen muss. Außerdem kommt der Verkehr immer noch von der Seite, wo ich ihn nicht erwarte, weil die Engländer den Tansaniern das Fahren auf der falschen Straßenseite beigebracht haben. In der „Samora“ und ihren Neben- und Parallelstraßen sind also die normalen Geschäfte beheimatet, wobei die Geschäfte mit ähnlichen Waren gewöhnlich nahe beieinander liegen. Die meisten Geschäfte sind klein, viele gehören indischen Geschäftsleuten.

Ich dachte bis Freitag, meine Hautfarbe würde von allen als „Einladung“ verstanden, mir möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Dann ging ich am Nachmittag in einen dieser kleinen indischen Läden, um meine 200 Bügel zu kaufen. Es gelang mir zwar nicht, einen Preisnachlass herauszuhandeln, aber dafür beauftragte der Inhaber gleich seinen afrikanischen Angestellten, mir ein Taxi zu besorgen. Der schnappte sich einen anderen, die beiden trugen meine zwei Kartons, der eine auf der Schulter, der andere auf dem Kopf, und so zogen wir Richtung Taxistand. Ich musste an die Bilder von Afrika-Reisenden mit ihren Trägern vor 100 Jahren denken. Am Taxistand feilschte der Angestellte dann für mich mit dem Taxifahrer: „Der ist mein Freund, du musst mit dem Preis runtergehen.“ Das nenne ich Service !

Es gibt allerdings auch ein paar moderne „Shopping-Malls“, mit westlichen Supermärkten und anderen Geschäften europäisch-amerikanischen Stils. An der Samora ist das der „City Supermarket“, andere liegen sehr weit außerhalb der Innenstadt. Das Foto zeigt eine davon, man könnte dort fast vergessen, dass man in Afrika ist.