Afrikanische Geduld

Ich habe mal von Bussen irgendwo in Afrika gelesen: Die Passagiere steigen ein, setzen sich ruhig hin und warten, bis nach einigen Stunden der Bus dann (vielleicht) abfährt. Also: Afrikaner können einfach abschalten und stundenlang warten.
Gestern hatten wir in der Messe zum „Welttag der geistlichen Berufe“ Gäste. Angekündigt waren zwei. Ein Priester aus unserem Nachbarkloster Hanga hat eine sehr kurze Predigt gehalten, anschließend eine Kandidatin der Schwestern hier in Peramiho eine ziemlich lange Predigt. Dann kam aber noch ein Gast, eine Katechistin (in Deutschland wäre das eine Gemeindereferentin) aus Songea, hielt nochmal eine zehnminütige Predigt. Als dann noch ein Student aus dem Priesterseminar aufsteht, kommen von meinen deutschen und Schweizer Nachbarn deutlich hörbare Signale der Ungeduld. Ich vertreibe mir die Zeit, indem ich die Afrikaner in unserem Mönchschor beobachte: Br.Silvester grinst mich mit demselben resignierten Lächeln an, das auch ein Deutscher in dieser Situation aufsetzen würde, Br.Adrian spielt ununterbrochen mit seiner Armbanduhr, die anderen sitzen da, als wollten sie dem Prediger gleich an die Kehle springen. Nachdem der 10 Minuten lang „mit der Unbekümmertheit des Erstsemesters zur Welterklärung ausgeholt“ hat (diese Worte standen mal vor vielen Jahren über unseren Mescheder Br. E. T. in der Zeitung), flüstert Br.Silvester mit unserem Subprior P.Fidelis. Der steht auf, tippt dem Prediger auf die Schulter und flüstert ihm etwas ins Ohr. Der scheint zuerst gar nicht zu reagieren, macht dann aber nach vier oder fünf weiteren Sätzen Schluss.
Wieder ein Vorurteil widerlegt: Auch Afrikaner können die Geduld verlieren, und das obwohl die Predigten alle zusammen gerade einmal 45 Minuten gedauert hatten.

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Eine Antwort to “Afrikanische Geduld”

  1. Afrika Says:

    Ich glaube nach insgesamt drei Jahren in Afrika auch, dass die meisten Afrikaner genauso ungeduldig sind wie ein beliebiger Europäer. Allerdings gibt es in Afrika vielleicht eher die Einsicht, wann es sinnlos ist, sich zu ärgern und fügt sich in das Warten.

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