Vom Lügen

Viele Europäer hier haben mir gesagt, dass Afrikaner recht häufig lügen. Aus meiner Erfahrung als Lehrer vermute ich, dass Menschen umso häufiger lügen, je autoritärer sie behandelt werden (spezieller Gruß an den deutschen Schüler, der in meinem Beisein seine Mutter angelogen hat !). Und die Erziehung hier im Land ist ziemlich autoritär, daher ist das vielleicht nicht nur ein Vorurteil. Der Vorwurf, ein Lügner (mwongo) zu sein, kann trotzdem schlimm sein. In der „Zeit“ war im Januar ein Interview mit einem Parlamentsabgeordneten der tansanischen Opposition, der einen Minister als „Lügner“ bezeichnet hatte – er wurde für mehrere Monate von den Parlamentssitzungen ausgeschlossen. Als mir neulich mal wieder ein Afrikaner sagte, dass ich gut Suaheli spreche, habe ich ohne Nachdenken geantwortet, „Du sollst nicht lügen.“ Dann bin ich erschrocken, denn ich befürchtete, vielleicht etwas Schlimmes gesagt zu haben. Aber er lachte nur freundlich. Samstag sagte mir unser Br.Ambros, dass er sein Foto in diesem Blog gesehen hat – er kann kein Deutsch, aber Br.Samuel hatte es ihm gezeigt. Also habe ich ihm übersetzt, was ich letzte Woche in dem Artikel „Omne quid recipitur“ über ihn geschrieben habe. Als wir bei der Aussage ankamen, dass er die besten Kuchen backt, sagte er spontan „uwongo“ – „Lüge“, es schien ihm aber trotzdem zu gefallen. Also weiß ich jetzt, dass „uwongo“ nicht immer etwas Schlimmes sein muss (und seine Kuchen sind wirklich super ! – auch wenn die Sachertorte meiner Mutter noch besser ist).

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