Archive for März 2008

Deutsche Kulturarbeit

31. März 2008

Dieses Geschäft in Songea war leider geschlossen, als ich vorbeikam. Die weißen Wörter bedeuten „Willkommen, Besorgen Sie sich …“. Weil es im Suaheli kein eigenes Wort für die angebotene Ware gibt, wird das englische Wort „sausages“ benutzt. Damit die Leute aber wissen, was mit dem englischen Wort gemeint ist, folgt noch ein Wort, das in der Umgebung von Peramiho anscheinend bekannter ist als „sausages“. Die Farm von Peramiho und die zugehörige Metzgerei haben einen ziemlich guten Absatz, und auf diese Art hat sich anscheinend sogar hier ein Stück deutscher Esskultur fest etabliert. Br.Damas, der Metzger, ist Afrikaner.

„Senf“ wird übrigens als „Dawa ya wurshti“ bezeichnet, „Wurst-Medizin“.

Und die Lehrer ?

28. März 2008

Noch einmal zurück zum Ostermontag, der Tag war schon ziemlich aufschlussreich für mich: Bisher habe ich nur mitgekriegt, dass die Lehrer hier sehr streng sind. Gerade während der Osterferien hat das board der Schule (also Vertreter der Lehrer, des Schulträgers und der Eltern) die Entlassung von vier Schülerinnen der Form 5 beschlossen (d.h. 18 Jahre alt), weil sie ohne Erlaubnis das Schulgelände verlassen hatten. Deshalb war ich schon etwas verwundert, als meine vier Kollegen kein Problem mit dem Alkoholkonsum der Schüler hatten. Immerhin waren Ferien, und wir waren nicht als Lehrer mitgefahren, sondern als Betreuer. Am Morgen danach habe ich mich mit Br.Mukasa unterhalten, dem Direktor der Berufsschule. Er meint: „Wenn die jungen Leute vorher beim Ostertreffen vier Tage ordentlich mitgemacht haben, dann kann man auch schon mal ein Auge zudrücken.“ Ich bin überrascht, denn genau das hatte ich auch schon gedacht. Demnach denken afrikanische Lehrer also doch sehr ähnlich wie deutsche !

Das Foto zeigt zwei Biermarken. Die dritte heißt „Tusker“, und das ist dann schon alles, was man hier kriegen kann. „Bier“ heißt auf Suaheli übrigens „bia“. „Tusker“ ist englisch, was das heißt, habe ich auch erst vor ein paar Tagen gelernt (man braucht das Wort im Alltag nicht so oft, wenn man nicht gerade Elfenbein-Schmuggler ist). Tusker-Bier wird auch oft „Tembo“ genannt. Das ist Suaheli und heißt „Elefant“.

Wie arm sind die hier eigentlich ?

27. März 2008

Es gibt mehrere Arten, wie man „Armut“ definieren kann. Manche sagen, dass diejenigen „arm“ sind, die deutlich weniger haben als die Menschen, mit denen sie zusammenleben. Nach dieser Definition ist der Schüler in Deutschland arm, der in seiner Klasse zum Außenseiter wird, weil er sich bestimmte Klamotten oder Handys nicht leisten kann. Die meisten Menschen in unserer Gegend sind aber nach dieser Definition nicht „arm“, weil hier eben fast alle wenig haben. Nach einer anderen Definition sind Menschen „arm“, die gerade mal genug zu essen haben, aber sich sonst nichts leisten können. Am Ostermontag war es für mich schön zu sehen, dass unsere jungen Leute sich durchaus mal etwas leisten können (ein paar Flaschen Bier und ordentliche Kleider; siehe Foto). Nur hatte ich gerade am Abend vorher genau das Gegenteil erfahren. Da habe ich nämlich bei Dr.Lemmy zu Abend gegessen. Dr.Lemmy ist der Chef des Krankenhauses hier und hatte ein bisschen erzählt. In der Großstadt Songea z.B. gibt es ein staatliches Krankenhaus. Das Personal dort wird unter anderem von deutschen Entwicklungshilfegeldern bezahlt, aber es kümmert sich kaum um die Patienten. Auf meine Frage, warum die Regierung da nicht aufpasst, lautet die Antwort: „Korruption“. Br.Dietmar wendet ein: „Aber in Mbeya gibt es doch ein gutes staatliches Krankenhaus.“ Mbeya liegt von hier sechs Stunden Busfahrt entfernt. Dr.Lemmy: „Und warum kommen dann die Patienten aus Mbeya zu uns ?“ Jetzt mag Dr.Lemmy natürlich aufgrund seiner Position etwas voreingenommen sein, aber die Fakten, die er nennt, kenne ich zum Teil auch von anderen Leuten, und die große Anzahl der Patienten, die lieber nach Peramiho kommen, als in Songea ins Krankenhaus zu gehen, sehe ich täglich.

Erkenntnis des Tages: Wer hier jung und gesund ist und eine Ausbildung bekommt, ist nicht arm. Aber wehe, er wird krank und wohnt nicht in der Nähe unseres Krankenhauses.

Vorurteil widerlegt

26. März 2008

Zur Erinnerung: Am Ostermontag war das Picknick der 85 Mitglieder des TYCS von Peramiho. Das sind die Schülerinnen von unserer Mädchenschule, die nur in den Ferien das Schulgelände verlassen dürfen, die (meist männlichen) Schüler der Berufsschule, die etwas älter sind als die Mädchen, und ein paar Schülerinnen von der Krankenpflegeschule, ebenfalls etwas älter.

Bei der Vorbereitung gab es zwischen mir und dem Vorsitzenden (einem Berufsschüler) überhaupt keine Diskussion über das Thema „Alkohol“: Er hat vorgeschlagen, dass jeder Schüler eine Halbliter-Flasche „Soda“ (also Cola bzw. Fanta) kriegt. Ich habe mir gedacht, dass das hierzulande wohl so üblich ist, dass die jungen Leute keinen Alkohol trinken dürfen. Immerhin weiß ich ja, dass die Disziplin an der Schule streng ist und dass viele Leute (insbesondere die Protestanten) hier im Land Alkohol grundsätzlich ablehnen. Das Picknick läuft dann also so ab: Nachdem die eine Flasche „Soda“ (siehe erstes Foto) ausgetrunken ist, gehen viele Schüler zur Bar und kaufen noch eine. Nach einiger Zeit sehe ich die erste Flasche Bier, schön eingewickelt in das Halstuch des Schülers. Die nächsten Flaschen und Dosen sind dann schon nicht mehr eingewickelt. Um 16 Uhr geht es zurück, der Gesang, der von der Ladefläche schallt, ist deutlich fröhlicher als auf dem Hinweg. Außerhalb der Stadt hält uns ein Polizist an. Als der Fahrer und er gleichzeitig reden, habe ich das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, verstehe aber nicht, worum es geht. Schließlich verstehe ich, dass der Fahrer sagt, „Wir kommen vom Ostertreffen in Songea.“ Das scheint dem Polizisten etwas zu sagen, und vielleicht kennt er auch das Motto des TYCS: „Mapendo daima“ (Immer die Liebe !). Jedenfalls schaut er zur Ladefläche, grinst und sagt: „Kweli mapendo“ (Wirklich Liebe). Damit lässt er uns weiterfahren. Das zweite Foto ist bei einer Pause auf der Rückfahrt entstanden.

Erkenntnis des Tages: Tansanische Schüler sind wie deutsche.

Osterspaziergang

25. März 2008

Am Ostermontag mache ich mich morgens um 9 Uhr auf Richtung Bushaltestelle. Auch hier ist Feiertag, die Straßen sind leer, und mir kommt der Gedanke, dass heute vielleicht gar keine Busse fahren. Doch die Busse gehören privaten Unternehmern, und die arbeiten natürlich immer dann, wenn sie auf Kundschaft hoffen dürfen. Und der Verkehr zwischen unserem Krankenhaus und der Großstadt Songea kennt anscheinend keine Feiertage. Ich muss nicht einmal fünf Minuten warten, dann kommt ein Bus, in dem ich den letzten Sitzplatz kriege. Kurz nach mir steigen noch fünf Leute zu, aber weil es noch kühl ist, lässt sich die Enge ertragen. In Songea treffe ich die Schüler und Schülerinnen vom TYCS, die gerade ihr viertägiges Ostertreffen hinter sich haben: 300 Teilnehmer, davon 80 aus Peramiho. Im „Benz“ fährt die Peramiho-Gruppe dann zum Picknick weiter. Ich hatte mir unter dem Ziel für ein „Picknick“ eine Wiese vorgestellt, aber wir landen bei einem ziemlich schicken Hotel, das hinter dem Haus einen großen Partybereich hat, überdacht, aber nach drei Seiten hin offen, mit genügend Tischen und Stühlen für unsere Gruppe. Wurst und Brötchen haben wir mitgebracht, das Hotel kommt auf seine Kosten, indem es uns die Getränke verkauft. Morgen dann etwas zur Art der Getränke.

Das Foto zeigt die Ankunft am Hotel, mein Kollege Ngonyani und ich konnten übrigens in der Fahrerkabine mitfahren.

Hier also auch schon

20. März 2008

Was denkt der (oder die) ordentliche Deutsche bei diesem Foto ? Wahrscheinlich: „Das geht doch nicht, das ist doch nicht versichert !“ Heute beginnt in Songea das Ostertreffen des TYCS (siehe Montag) und vor zwei Wochen erhielt ich einen Brief von unserem Vorsitzenden zur Weiterleitung an den Abt. In dem Brief wurden wir um Unterstützung gebeten. Wir haben beide sofort an Geld gedacht, aber der Vorsitzende wollte den „Benz“ (genau den auf dem Foto) haben, um die 85 TYCS-Mitglieder und ihre Matratzen nach Songea zu transportieren. Also gehe ich zu unserem zweiten Cellerar (Verwaltungschef) und erhalte als Antwort, dass das nicht geht, weil es gegen die Versicherungsbedingungen verstößt. Die eigentlichen Herrscher sind die Versicherungen, das fängt hier also auch schon an ! Aber immerhin: Noch ist die Tradition stärker, letztes Jahr ist der TYCS mit dem Lastwagen gefahren, und so ist es nach einigem Hin und Her heute genauso gelaufen. Hoffen wir also mal, dass kein Unfall passiert !

Ab in die Ferien !

19. März 2008

Heute schließt die Schule, aber am Mittwoch, 26.3., geht es schon wieder los. Weil die Zeit so kurz ist, dürfen nur die Schülerinnen nach Hause fahren, die weniger als einen halben Tag Busfahrt entfernt wohnen. Für die, die weiter weg wohnen, lohnt es sich nicht, nach Hause zu fahren. Die Entscheidung darüber trifft die Schulleitung. Das ist aber deutlich besser als früher. Letzte Woche habe ich in Songea kurz mit P.Gregory gesprochen, einem ziemlich alten Benediktiner aus unserem Nachbarkloster Hanga. Der hat in seiner Schulzeit auch ungefähr einen halben Tag Busfahrt von der Schule nach Hause gehabt. Allerdings fuhren damals keine bezahlbaren Busse. Er ist also mit einigen Schulkameraden zu Fuß gegangen. Einmal im Jahr 10 Tage Fußmarsch von zuhause zur Schule und einmal im Jahr dieselbe Strecke zurück. Das hat mich beeindruckt, deshalb habe ich die Geschichte der Schulleiterin erzählt. Sie war nicht beeindruckt: „Das hat mein Vater auch gemacht.“

Grüß‘ mir die Hühner !

18. März 2008

Neulich auf dem Weg zur Kirche: „Habari za magari ?“, frage ich Br.Francis. Er arbeitet in der Autowerkstatt, deshalb habe ich den alltäglichen Gruß etwas abgewandelt: „Was gibt’s bei den Autos ?“ (magari, Singular gari, das kommt vom englischen car). Er fragt zurück: „Habari za kuku ?“. Ich bin etwas verdutzt, denn kuku sind die Hühner. „Ja, die heißen auch Hühner.“ Wir erreichen die Kirche, deshalb kann ich nur vermuten, wen er mit „die“ meint. Br.Augustin, mein afrikanischer Tischnachbar, klärt mich später auf, dass ich richtig vermutet habe: „Hühner“ sind die Schülerinnen an meiner Schule. Die Krankenpflegeschülerinnen dagegen heißen „bata“, „Enten“, und die Schüler der Berufsschule heißen „nevi“, also „Navy / Marine“. Warum, das weiß er nicht. Die Namen gab es schon, als er vor zwanzig Jahren nach Peramiho kam. Heute morgen klärt Francis mich beim Frühstück weiter auf: Die „Enten“ sind größer als die „Hühner“, und die „Hühner“ heißen so, weil sie eingesperrt sind. Ob diese Erklärung stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber tatsächlich erhalten unsere Schülerinnen nur selten die Erlaubnis, das Schulgelände zu verlassen. Immerhin: Morgen dürfen sie in die Ferien fahren.

Das Foto zeigt die Krankenpflegeschülerinnen bei einem Fest, ich habe es 1994 als Dia aufgenommen (deshalb die Farbstörungen). Sie tragen heute noch die gleiche Schuluniform.

Picknick mit 5 Litern Benzin

17. März 2008

Ich habe irgendwann mal geschrieben, dass ich zum „Chefbetreuer“ der katholischen und islamischen Schülerclubs in der Pfarrei geworden bin. Der größte von diesen Clubs ist der TYCS, und der fährt jedes an Ostern in unsere Bischofsstadt Songea zu einem großen Kongress. Am Ostermontag gibt es dann ein Picknick zum Abschluss. Im letzten Jahr hat die Abtei das Picknick bezahlt, also muss ich dieses Jahr dafür sorgen, dass sie es wieder bezahlt. Ich treffe mich also am Samstag mit Patrick, dem Vorsitzenden der TYCS, der mir vorrechnet, was er für 85 Teilnehmer alles braucht: 4 Kästen „Soda“ (das ist hier das Wort für Cola und Fanta), der Kasten á 24 Halbliter-Flaschen, 300 Brötchen aus der Abteibäckerei (von Br.Ambros, der die guten Kuchen backt), 5 kg Wurst aus der Abteimetzgerei, 12 Flaschen Bier und 5 Liter Benzin. Das Bier ist für die 4 Betreuer, die mitfahren, und kostet halb so viel wie das „Soda“ für die 85 Schüler. Ich finde das ungerecht und handle ihn auf 10 Flaschen runter. Aber wofür 5 Liter Benzin ? Für den Generator. Wofür ein Generator beim Picknick ? Für das Radio. Ohne Radio keine Musik und ohne Musik ist es kein richtiges Picknick, so erklärt Patrick mir. Das kann ich nachvollziehen, aber Patrick ist im letzten Lehrjahr in der Elektrowerkstatt und müsste eigentlich wissen, dass man für ein Radio keinen Generator braucht. Braucht man doch – denn was Patrick als „Radio“ (auf Suaheli: redio) bezeichnet, ist eine ausgewachsene Musikanlage mit genügend Power für die Beschallung von größeren Feldern. Die leiht ihm seine Meisterin, Sr.Deogratia, kostenlos. Alles zusammengerechnet kostet dann 90.000 Shilling, das sind nicht ganz 60 Euro.

Ein Verwandter des Zauberers ?

14. März 2008

Gestern war ich in der Kathedrale von Songea zur Ölweihmesse. Das ist ein Gottesdienst, der nur in der Bischofskirche stattfindet und nur einmal im Jahr (normalerweise am Gründonnerstag morgens, hier aber aus irgendeinem Grund eine Woche früher). In Deutschland gibt es das auch, aber ich hatte noch nie eine Gelegenheit, daran teilzunehmen. Das Foto zeigt Erzischof Norbert Mtega, wie er das Chrisam-Öl aus den verschiedenen Zutaten zusammenmischt. Der Ritus ist nicht afrikanisch, sondern vor vielen Jahrhunderten irgendwo in Europa (ich vermute in Rom) entstanden. Ob bei der Entstehung dieses Ritus damals auch magische Vorstellungen eine Rolle gespielt haben ? Er scheint mir ganz gut nach Afrika zu passen, und ich stelle es mir irgendwie ähnlich vor, wenn ein hiesiger Zauberer seine „dawa“ (Medizin) herstellt. Langweilig war der über dreistündige Gottesdienst jedenfalls nicht.