Archive for Januar 2008

„Da leben nur Tiere“

31. Januar 2008

In Tansania kann man manchmal über unsere Gegend hören: „Da leben keine Menschen, da leben nur Tiere.“ Das ist nicht ganz falsch, der freundliche junge Kollege auf dem Bild hatte sich bei mir z.B. so vorgestellt: „My name is Tembo, that is elephant.“ Ganz viele Leute heißen hier Komba, das ist eine bestimmte Affenart (Galago / Buschbaby), und auch die anderen häufigen Familiennamen sind Namen von Tierarten. Man kann also am Namen ungefähr erkennen, wo eine Person herkommt, oder zu welchem Stamm sie gehört (wenn jemand Kotthoff oder Babilon heißt, würde man in Deutschland ja auch vermuten, dass er aus dem Sauerland kommt und Westfale ist).

Als ich neulich mit Br.Edmund unterwegs war, nahmen wir eine Ordensschwester im Auto mit. Sie fragte ihn gleich nach seinem Familiennamen. „Edmund Kimario.“ – „Dann gehörst zum Chagga-Stamm ?“ Als sie ausgestiegen war, sagte mir Edmund: „Das hat mir gar nicht gefallen. Gleich nach dem Stamm zu fragen, ist unhöflich.“ Da hat er wohl Recht, denn gestern beim Kaffee wurde die Geschichte erzählt von dem Priester, dessen Auto in Kenia von Bewaffneten angehalten wurde. Sie fragten nach seinem Namen. Das war leider ein Kikuyu-Name, er wurde gleich umgebracht. (In unserem Nachbarland Kenia herrscht gerade Bürgerkrieg zwischen den Kikuyu und zwei anderen Stämmen.)

Und plötzlich ist man im OP

30. Januar 2008

Dominik Abel, Oberstufenschüler aus Hildesheim, hat im Dezember im Krankenhaus ein Praktikum gemacht. Er arbeitet in seiner Freizeit bei den Maltesern, kennt sich mit Krankenhäusern also ein wenig aus. Er hatte mir schon gesagt, dass es hier im Krankenhaus viel weniger Vorschriften gibt als in Deutschland. Trotzdem war ich gestern etwas überrascht, als ich bei der Krankenhausführung mit Sr.Antonia plötzlich im OP stand, wo Dr.Komba (zweiter von rechts) gerade operierte. Diese Operation ging noch, es war nämlich nicht viel zu sehen, und ich bin natürlich nicht allzu nah herangegangen. Dann fragte Sr.Antonia, ob ich Blut sehen könnte, ich habe tapfer bejaht und gleich ging’s zu der Knieoperation von Dr.Lemmy. Diesmal konnte ich genau sehen, was vor sich ging. Und dann kam der Moment, wo nur noch eins half: Auf die Arbeit konzentrieren, also auf das Fotografieren. Ich dachte ja, ich hätte mir nichts anmerken lassen, aber Sr.Antonia ist eine gute Ärztin. Als wir wieder rausgingen, hat sie gleich gesagt: „Du bist aber ziemlich bleich.“

Bevor jetzt aber jemand denkt, in unserem Krankenhaus könnte jeder einfach so seine Bakterien in den OP tragen: Ich bin nur reingekommen, um Fotos für die Krankenhaus-Homepage zu machen, und außerdem habe ich am Eingang meine Schuhe wechseln müssen.

Mal was Leckeres

29. Januar 2008

Heute hat Sr.Antonia uns durch das Krankenhaus geführt und ich hatte das Vergnügen, bei zwei Operationen Fotos zu machen. Aber ich will nicht schon wieder so etwas Unappetitliches schreiben. Also: Es gibt genau einen Granatapfelbaum in Peramiho, deshalb gab es auch nur einen einzigen Granatapfel heute Morgen beim Kaffee. Allerdings wollte ihn keiner essen. Br.Ambros, ein Afrikaner, klärte mich auf: „Wir essen Papayas oder Mangos, aber diese Frucht ist bei uns nicht üblich.“ Auch die Deutschen waren anscheinend nicht so begeistert, jedenfalls blieb er bis zum zweiten Frühstück liegen. Dann hat der Abt die eine Hälfte gegessen. Ich habe erst einmal ein Foto gemacht, und dann die andere Hälfte verspeist, jedenfalls fast. Schmeckt eigentlich fast nach nichts, ist aber recht süß. Als dann der Wurm herauskam, wollte ich doch nicht mehr weiteressen, und habe stattdessen das zweite Foto gemacht.

Aberglaube und AIDS

28. Januar 2008

Sr.Antonia ist Ärztin am hiesigen Krankenhaus. Da es hier nur vier Deutsche unter 50 gibt (fast hätte ich geschrieben „junge Deutsche“), treffen wir uns öfter mal. Gestern hat sie davon erzählt, dass in Tansania viele Männer glauben, AIDS lasse sich ganz einfach heilen: Man müsse nur Sex mit einer Jungfrau haben. Ich wollte gerade anfangen, über diese Dummheit zu lachen, aber dann erzählte Sr.Antonia von den Verletzungen des vierjährigen Mädchens, das sie behandelt hatte. Es war von einem Mann vergewaltigt worden, der sich dadurch von AIDS kurieren wollte.

Hexerei

25. Januar 2008

Rupi hat nach der Hexerei hier gefragt. Ich habe den Film auf Arte nicht sehen können, und kann auch nur wiedergeben, was ich von anderen gehört habe. In der traditionellen afrikanischen Vorstellung sind die Ahnen sehr wichtig, d.h. die Geister der Verstorbenen. Die können sowohl schaden als auch nützen und sind etwas schwer zu durchschauen. Also fragt man am besten jemanden, der sich damit auskennt, also einen mganga („Heiler“). Aufgrund seiner Beziehung zur Geisterwelt kann der Heiler ebenfalls nützen oder schaden. Er kann z.B. Krankheiten heilen. Bei einer solchen Heilung nimmt man gerne Heilkräuter, der Heiler tanzt und singt sich gerne in Trance, auch viel Blut (von Hühnern) kann nicht schaden. Als gebildete Menschen wissen wir natürlich, dass viele der Heilkräuter tatsächlich sehr wirksam sind. Wir kennen auch den Placebo-Effekt, wenn einem auf die richtige Art und Weise gesagt wird, dass es einem besser geht, dann geht es einem tatsächlich besser. Also – soweit ist gegen einen mganga nichts zu sagen. Auch der moderne Arzt im Krankenhaus lässt sich deshalb mganga nennen, oft allerdings auch daktari (das stammt vom englischen doctor, vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an die Fernsehserie Daktari). So weit, so gut. Es gibt aber auch ein paar ziemlich finstere Seiten, mehr dazu nächste Woche. Da ich leider bei so einer echt afrikanischen Hexen-Heilung noch nicht dabei war, heute kein Foto.

Ameisenarten

24. Januar 2008

Die Eskimos haben ja bekanntlich viele verschiedene Wörter für die Arten des Schnees. Hier gibt es viele Wörter für Ameisen. Ich habe bisher folgende gelernt: Sisimizi sind die ganz kleinen, die aus dem Brot herausfallen, wenn man das Brot am Teller ausklopft, die ein Loch in meine Seife gefressen haben, und die nicht mehr an meine Schokolade kommen, seit ich mir eine Plastikbox gekauft habe. Dann gibt es Mchwa, das sind die gewöhnlichen Termiten, die ganze Häuser zum Einsturz bringen können, und die man deshalb besser rechtzeitig vergiftet. Die Kumbikumbi (siehe gestern) fallen zu Beginn der Regenzeit massenhaft auf den Boden (siehe Foto) und werden von den Kindern gerne auch ungegrillt gegessen. Siafu sind die gefürchteten Wanderameisen, die in Massen auftreten und ziemlich kräftig zubeißen können. Ob ich alle Geschichten glauben soll, die über Siafu erzählt werden, weiß ich nicht so recht (z.B. dass sie schon mal kleine Kinder töten, oder dass die Metzgerei in Ndanda öfter mal die Türen auflässt, damit die Siafu alle Ecken sauber machen). Jedenfalls liegt mein Zimmer im ersten Stock, und in keiner Geschichte kommen Siafu in den ersten Stock.

Kumbikumbi

23. Januar 2008

Br.Samuel schreibt zu diesem Foto: „Das sind Termiten, die uns in Litembo geröstet als landestypische Spezialtität angeboten wurden. In good old Ujerumani wird dem Ober die Suppe bereits wegen einer Fliege als Reklamation serviert. Hier trieb mich die Neugierde an, um diese kleinen Tierchen mit Weißbrot zu probieren. Überwindung kostete es mich schon. Einfach die Augen schließen, hinein- oder draufbeißen und den Geschmack wahrnehmen. Der Geschack läßt sich eigentlich schwer beschreiben, vielleicht etwas nussig. Da sie gut schmeckten, hab ich nicht nur probiert, sondern noch ein paar mehr gegessen.

Wenn ich dann aber morgens in Peramiho beim Frühstück sitze und die kleinen Sisimizi aus meiner Scheibe Brot krabbeln, kann ich da nicht so drüber hinweggehen. Da wird die Scheibe erst einmal ausgeklopft oder nach den kleinen Ameisen gesucht. Einfach nur Marmelade drüber geht da nicht. Noch nicht ?“

Familienprobleme

22. Januar 2008

Wie bei Elefanten, so leben auch bei Löwen die Männchen meistens allein. Die Weibchen sind geselliger, leben meist in kleinen Gruppen (bei Elefanten in ganzen Herden) mit den Jungtieren zusammen. Dummerweise verhalten sich manche menschlichen Männer hier recht ähnlich, so dass oft die Frauen allein die ganze Arbeitslast in der Familie tragen müssen.

Shikamoo

21. Januar 2008

Elefanten, Giraffen, Zebras und Impalas kann man im Ruaha-Park wirklich nicht übersehen, die sind alle fast so häufig wie Ameisen. Aber – die Biologen wissen, warum – Raubtiere sind seltener. Wir hatten zum Glück einen Führer dabei, Moses, einen professionellen Jäger. Der weiß, wo man nach Löwen Ausschau halten muss. Leider hatte dieses Exemplar im Posing-Kurs nicht so ganz aufgepasst und hat den Kopf nur halb gehoben, um sich dann gleich wieder schlafen zu legen. Löwen tigern halt nicht ständig durch die Gegend. Am nächsten Morgen haben die Afrikaner mich gefragt, ob ich im Traum einen Löwen getroffen hätte und Shikamoo gesagt hätte. „Shikamoo“ sagt man hier zu Leuten, die mehrere Jahrzehnte älter sind als man selbst, die Übersetzung ist ungefähr „Ich küsse deine Füße“ (oder auf Österreichisch: „Küss‘ die Füß, gnä‘ Frau“).

Was mache ich hier eigentlich ?

18. Januar 2008

Vielleicht hat sich der eine Leser oder die andere Leserin schon mal gefragt, ob ich hier in Tansania eigentlich nichts anderes zu tun habe als Tierfotos zu machen. Also in Kürze: Ich unterrichte jetzt 20 Schülerinnen aus Form 3 (das entspricht der 10.Klasse) und 20 Schülerinnen aus Form 4 in Physik, jeweils 4 Wochenstunden. Die Schülerinnen aus Form 4 kenne ich schon vom letzten Schuljahr. Da Br.Edmund zu einer Fortbildung in die USA gereist ist, habe ich zum Jahresbeginn auch die Sorge für die Computer in unserem Kloster und bei den Benediktinerinnen nebenan übernommen. Hier gibt es auch nicht weniger Computer als in Meschede, allerdings sind sie älter.

Das Foto stammt von Ende Dezember, von dem Strandtag in Mbamba Bay. Das Auto mit dem Eigenbau-Zelt auf dem Dach gehört Christoph und Simone, dem bayerisch-lutherischen Pfarrersehepaar aus den Ukinga-Bergen, die nach Peramiho kommen, wenn sie etwas Zivilisation brauchen. Nächste Woche gibt es übrigens die Fotos von den spannenden Tieren.