Archive for Dezember 2007

Sicherheit

31. Dezember 2007

„Lala salama – schlafe friedlich“, ist ein Wunsch, den man hier zur Nacht hören kann. „Salama“ heißt „friedlich“ oder auch „sicher“, das Wort kommt auch in Wörtern wie „Sicherheitsdienst“ vor. Und davon gibt es in Dar es-Salaam genügend: Vor jeder Bank stehen oder sitzen mehrere Wächter mit Gewehren. Andere Geschäfte haben meist nur einen Wächter mit einem Stock vor dem Eingang, gerne ein Angehöriger des Massai-Volkes in seiner traditionellen Kleidung wie auf dem Bild (im Eingang des französischen Cafés auf der Samora-Road; da Feiertag war, war das Café geschlossen, an anderen Tagen durchaus kein schlechter Tipp). Quizfrage: Mit welchem Adjektiv ist unser Wort „Wächter“ verwandt ?

Morgen kommt dann endlich die Antwort auf Rupis Frage, ob man sich in Dar frei bewegen kann. Leonie in Uwemba sollte sich mal den Kommentar auf der About-Seite anschauen. Allen Lesern und Leserinnen einen Guten Rutsch !

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Mbamba Bay

30. Dezember 2007

In Mbamba Bay sind wir in einem Gästehaus der Benediktinerinnen untergekommen. Das Foto zeigt den Blick von dort über das Dorf auf den See. Nicht zu sehen sind der wunderbare weiße Sandstrand und die Fischerboote. Das Wasser ist ziemlich warm (fast schon Badewannentemperatur), die Umgebung einfach traumhaft. Die einzigen Touristen außer uns waren eine bayerische Pfarrersfamilie, die die evangelische Pfarrei in den Bergen von Ukinga (recht nah bei Uwemba) versieht, und zwei Abiturienten aus Stuttgart, die für ein halbes Jahr in Njombe als Englisch-Lehrer arbeiten. Also: Nicht weitersagen, ein echter Geheimtipp !

Eingeregnet

29. Dezember 2007

Am zweiten Weihnachtstag sind wir zu sechst nach Mbamba Bay zu einem Kurzurlaub aufgebrochen: Abt Anastasius, der frisch eingetroffene Br.Samuel, drei Gäste aus Hildesheim bzw. Hannover (spezieller Gruß nach Hildesheim !) und ich. Bei der Rückfahrt gestern (28.12.) haben wir noch einen Abstecher nach Litembo gemacht, wo P.Oswald, ein deutscher Mönch von Peramiho, Pfarrer ist. Zum Ende des Kaffeetrinkens sagte der Abt: „Fahren wir am besten jetzt los, bevor es anfängt zu regnen.“ P.Oswald: „Das fängt gerade an, und ohne Allradantrieb kommt ihr heute da nicht mehr runter.“ Unser Auto hatte zwar Allradantrieb, aber wir hatten auf der Hinfahrt gemerkt, dass der nicht funktioniert. Und die Straße zwischen Peramiho und Litembo hat steile Stellen, die sich bei Regen in eine Rutschbahn verwandeln. Also haben wir afrikanisch spontan beschlossen, in Litembo zu übernachten, drei im Pfarrhaus, drei bei Hildegard Witt, der deutschen Krankenschwester am Krankenhaus von Litembo. Die Rückfahrt heute morgen war dann kein großes Problem, nur war ich froh, dass der Abt am Steuer saß und nicht ich.

Das Foto zeigt den Lastwagen, der auf der Hinfahrt vor uns im Schlamm steckengeblieben war, aber mit Hilfe von Schaufeln wieder flottgemacht werden konnte. Die Straße ist übrigens die wichtigste Ost-West-Route im Süden Tansanias.

Weihnachten in Peramiho

25. Dezember 2007

Die Dinge, die einen normalerweise in Weihnachtsstimmung versetzen, fehlen hier: Die Tage sind genauso lang wie sonst auch, das Wetter ist jetzt – während der Regenzeit – ungefähr wie bei uns in einem verregneten Juli, allerdings mit ein paar Stunden Sonnenschein pro Tag. Weihnachtsschmuck in den Straßen ist praktisch unbekannt, nur in der Kirche hier sind am Sonntag plötzlich Weihnachtsbäume (Zedern) „gewachsen“ (siehe Bild), obwohl sie eigentlich hier wenig Sinn machen, da in der Regenzeit sowieso alles grünt und blüht.

Um 19 Uhr wird hier die Christmette gefeiert, auf der einen Seite im Mönchschor sitzen die Mönche, gegenüber die Schwestern. Auf der Empore darüber viele Kinder, im Hauptschiff vorne der Kirchenchor, dahinter die Gemeinde. Am Anfang werden Psalmen gesungen, alles recht ordentlich und europäisch-ruhig. Zum Gloria schlägt dann die Stimmung um, der Chor nimmt das Heft in die Hand, singt und tanzt dazu, der Chorleiter bläst auf einem sehr langen Horn sehr urtümliche Töne, die Messdiener machen mit den Messglöckchen einen Lärm, der fast den Gesang übertönt. Ich musste an die Beschreibung aus dem Jahr 1898 denken, die ich gerade gelesen hatte: „with much singing, stomping and shouting so that the very air was trembling“ – „mit viel Gesang, Gestampfe und Geschrei, so dass selbst die Luft bebte“ tanzten die Wangoni mitten in der Nacht, nachdem die frisch angekommenen Benediktiner die erste Weihnachtsmesse in Peramiho gefeiert hatten.

Alles wirkt sehr afrikanisch in diesem Gottesdienst, aber Feste feiern können die Afrikaner wirklich. Danach, so gegen 21:30 Uhr gibt es dann noch ein ziemlich europäisches Festessen im Kloster. Nach einer Stunde ist auch das zu Ende, der Abt: „Jetzt ist es etwas später geworden, also singen wir nur noch ein Lied.“ Darauf stimmen die Afrikaner „Stille Nacht“ an – ich traue meinen Ohren nicht: Auf Deutsch !

Der nächste Eintrag kommt erst am 29., denn morgen geht es erst einmal an den Nyassasee – Ferien !

Frohe Weihnachten !

24. Dezember 2007

Allen Lesern und Leserinnen, besonders natürlich meinen Eltern und meiner Schwester, Freunden, Freundinnen, Brüdern und Bekannten wünsche ich ein Frohes Weihnachtsfest. Ein ganz spezieller Gruß an Robert Christian Willma und Jonatan Giering und auch an die frühere Klasse 10 a !

In Dar es-Salaam gibt es seit kurzem ein paar „Shopping malls“ in amerikanischem Stil. Das ist für mich als Europäer sehr praktisch, weil es dort Dinge gibt, die man sonst nicht kriegt (z.B. Schokolade). Es ist aber völlig untypisch für das Land. Auch amerikanischen Weihnachtskitsch kann man da finden (siehe Foto). Außer diesen sehr wenigen Geschäften und ein paar Werbeplakaten von Coca-Cola sieht man im ganzen Land praktisch keinen Weihnachtsschmuck und keine Weihnachtsmänner oder -frauen.

Weitere Nachrichten aus Dar es-Salaam folgen dann am 27.

Ich fahr‘ mal eben in die Stadt

15. Dezember 2007

Montag um halb Sechs fahre ich nach Dar es-Salaam. Gegen Fünf am Nachmittag sind wir hoffentlich dort. Dienstag kaufe ich Wein fürs Fest und Computerzubehör für den Alltag ein, Mittwoch kommt Br.Samuel aus Münsterschwarzach, der für zwei Jahre hier bleiben soll, den Donnerstag werden wir schon irgendwie „rumkriegen“, am Freitag geht es dann zurück nach Uwemba, am Samstag zurück nach Peramiho. Endlich mal wieder an einem Ort, wo was los ist (siehe Foto) !

Nächste Woche werde ich also nicht bloggen, herzlichen Gruß an alle treuen Leser und Leserinnen !

Stellung der Frau

14. Dezember 2007

Als neulich die Chefin der Schulbehörde der Region zu Besuch war, kam die Rede auch auf deren Vorgesetzte, die Regional Commissioner, so eine Art Regierungspräsidentin. Immer mit dem Zusatz „She is also a lady“. Die Regierung fördert bewusst Frauen und es gibt auch einige Ministerinnen. Asha-Rose Mtengeti Migiro aus Songea, unserer Nachbarstadt, war bis Anfang diesen Jahres Außenministerin und ist jetzt stellvertretende UN-Generalsekretärin. Vor einigen Jahrzehnten war auch Tansania noch eine reine Männergesellschaft. Die Frauen (eine oder mehrere pro Mann) hatten das Haus zu hüten und das Feld zu bestellen und möglichst viele Kinder zu kriegen. Das passt heute auch im privaten Bereich nicht mehr unbedingt: Unsere Schulleiterin hat genau ein Kind, einen Jungen, Moses, der jetzt in die zweite Klasse kommt. Ich vermute aber, dass nur ein kleiner Teil der Frauen aus dem traditionellen Rollenbild ausbrechen konnte, denn gerade auf dem Land sind auch hier die Traditionen stark.

Das Bild zeigt eine Tänzerin bei der Verabschiedung von Br.Zacharias neulich.

Frauen und Sprache

13. Dezember 2007

„Der Schulleiter oder die Schulleiterin bespricht mit dem Ausbildungslehrer oder der Ausbildungslehrerin regelmäßig den Fortschritt des Referendars oder der Referendarin.“, diesen Satz der Ausbildungsordnung habe ich noch aus meiner Referendarzeit in schlechter Erinnerung. Wenn wir im Deutschen immer beide Geschlechter erwähnen, werden unsere Sätze noch länger und komplizierter, als sie sowieso schon sind. Wenn man aber ein Geschlecht weglässt (meistens ja die Frauen), schließt man sie aus. Dieses Problem gibt es in Tansania nicht. Man kann lange Zeit über jemanden reden, und weiß dann immer noch nicht, ob er ein Mann oder sie eine Frau ist. Für „er“ und „sie“ gibt es nur ein Wort (yeye), auch für „Sohn“ und „Tochter“ gibt es nur „mwana“. Für „Junge“ und „Mädchen“ gibt es zwar eigene Wörter, meist aber wird das Wort mtoto (Kind) gebraucht. Das geht soweit, dass auch Tansanier, die gutes Englisch sprechen, manchmal „she“ sagen, wenn es um einen Mann geht. Quizfrage: Könnt ihr auf dem Foto die Schüler (wanafunzi) von den Schülerinnen (wanafunzi) unterscheiden ?

Immerhin: Zwischen „baba“ und „mama“ (die Wörter brauche ich wohl nicht zu übersetzen) wird deutlich unterschieden, und auch das Verb „heiraten“ ist nur für den Mann reserviert. Eine Frau heiratet in Tansania nicht, sie „wird geheiratet“. Morgen mehr zur Stellung der Frau hier.

Hier muss niemand hungern, aber …

12. Dezember 2007

Ich lebe hier in einem Kloster, wo jeden Tag das Essen pünktlich auf den Tisch kommt und höchstens mal die Duschen für einige Zeit ausfallen. Meine Kollegen an der Schule verdienen gutes Geld, und auch die meisten afrikanischen Brüder kommen aus Familien, die eine recht gut gesicherte Existenzgrundlage haben. Die Erzählungen des Augenarztes in Uwemba haben mir mal wieder die Augen dafür geöffnet, dass das Leben hier im Land für viele Menschen ganz anders aussieht. Dieser Augenarzt kommt aus Deutschland, ist jedes Jahr für eine gewisse Zeit in Tansania und praktiziert in mehreren Krankenhäusern, die sonst keinen Augenarzt haben. Er sagt, dass manche Krankheitsbilder, z.B. große Geschwüre, in Deutschland einfach nicht vorkommen, weil die Eltern bei solch einer Krankheit schon längst einen Arzt eingeschaltet hätten. Mich hat besonders die Geschichte von dem Mädchen geschockt, das vor sieben Jahren erblindet ist, und jetzt zum ersten Mal beim Augenarzt war, der ihr aber nicht mehr helfen konnte.

Die beiden Jungen auf dem Schulhof von Uwemba, die auf dem Bild zu sehen sind, scheinen jedenfalls kerngesund zu sein, und das sei ihnen auch herzlich gegönnt.

Hier muss niemand hungern

11. Dezember 2007

Bei der Zeugniskonferenz vor den Ferien wurden auch die Schülerakten herumgereicht. Da stehen dann so aufschlussreiche Dinge drin wie der Beruf des Erziehungsberechtigten. Drei Kategorien für Berufe sind in den Akten vorgesehen: „Arbeiter – Bauer – Geschäftsmann“. Darunter steht dann eine weitere Zeile mit einer genaueren Erklärung, bei einem „Arbeiter“ z.B.: „Parlamentsabgeordneter“. Hoffentlich, denke ich mir, arbeitet dieser „Arbeiter“ auch. Ungefähr die Hälfte der Eltern der Schülerinnen sind „Bauern“. Und bei jeem Bauern steht als Erklärung dabei, was er anbaut. Fast alle hier bauen Mais an. Das Land gehört in Tansania grundsätzlich dem Staat. Wenn jemand keine andere Arbeit findet, kann er sich irgendwo ein freies Stück Land suchen und Mais anpflanzen. Das wichtigste Ackerbaugerät ist immer noch die jembe (Hacke, siehe Bild). Dazu ein paar Hühner halten, das reicht dann für Ugali (Maisbrei, meine persönliche Meinung: ist mit viel Soße erträglich) und Eier. Also: Tatsächlich ist Hunger hier kein Problem. Das große Aber folgt morgen.