Auflösung des Rätsels um die Spendengelder

Hier wie versprochen die Auflösung des Rätsels um die Spendengelder: Der Artikel in „Publik-Forum“ legt nahe, dass in Peramiho Spendengelder veruntreut wurden. Gemeint ist laut Artikel, dass die Mönche hier in den 1990er-Jahren eine sehr riskante Investition getätigt haben. Nach deutschem Recht darf man mit Spendengeldern aber keine riskanten Geschäfte machen. Das bedeutet in diesem Fall „veruntreuen“. Dass die Mönche die Spendengelder für private Zwecke verwendet hätten, wird nicht einmal in dem Artikel behauptet.

Sind Spendengelder in die Goldmine investiert worden oder nicht ?

Die Mönche hier sagen: Nein. Die Verwendung jeder Spende lasse sich nachweisen, die Investition in die Goldmine sei aus „Eigenmitteln“ der Abtei Peramiho erfolgt. Dazu ist vielleicht eine Erklärung nötig, was den Unterschied zwischen Spenden und Eigenmitteln angeht: Mönche beten bekanntlich nicht nur, sondern sie arbeiten auch. Mit Arbeit verdient man normalerweise Geld, und das fließt in einem Kloster in eine gemeinsame Kasse, aus der wir unseren Lebensunterhalt finanzieren. Allerdings verdienen nicht alle Mönche mit ihrer Arbeit Geld, das Krankenhaus zum Beispiel ist keine Einnahmequelle, sondern braucht ständig Geld. Dasselbe gilt für die verschiedenen Hilfen für die Armen hier (das Foto zeigt Br.Hermann bei der Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige, mehr dazu am Montag). Aus diesem Grund ist die Abtei auf Spenden angewiesen.

Der Wirtschaftsprüfer, auf den sich der Artikel stützt, vermutet nun, diese Spenden seien in der Mine „versenkt“ worden. Sein einziges Argument ist, die Mönche hätten hier in einem armen Land gar nicht so viel Geld (angeblich „viele hunderttausend Euro“) durch eigene Arbeit verdienen können. Mein Eindruck, nachdem ich die Betriebe, die Gebäude, die Angestellten gesehen habe: Man kann hier ohne Probleme so viel Geld verdienen, wenn man über die entsprechenden Maschinen, die Organisation und die Infrastruktur verfügt. Es gibt hier 25 Betriebe, die alle gut mit Maschinen ausgestattet sind, und die natürlich Geld einnehmen, wenn sie Autos reparieren, Möbel oder Dachstühle herstellen, Lebensmittel verkaufen usw.

Ich hoffe ja, dass ich kritische, aufgeklärte Leser und Leserinnen habe. Die wissen natürlich, dass ich in dieser Sache nicht neutral sein kann. Daher habe ich mich in den drei Artikeln zur „Gold-Affäre“ auf Fakten beschränkt, die ich mit meinen Augen wahrgenommen habe, die plausibel sind, oder die aus dem Artikel selbst hervorgehen. Zum guten Schluss: Ich bin aufgrund dieser Fakten und aufgrund zahlreicher persönlicher Gespräche mit den Mönchen sicher, dass hier keine Spendengelder veruntreut wurden. Wenn meine kritischen Leser/innen dies nachvollziehen könnten, würde mich das freuen. Der Vorwurf der „Veruntreuung“ hat hier nämlich durchaus auch persönliche Wunden geschlagen: „Seit 50 Jahren habe ich auf meinen Jahresurlaub verzichtet“, sagte mir diese Woche ein Mönch zum Thema „Umgang mit Geld“.

Und noch ein Schlusswort zum Thema „Kritik“: „Publik-Forum“ nennt sich „Zeitung kritischer Christen“. Gehört zur Kritik nicht auch eine kritische Überprüfung der Aussagen des Wirtschaftsprüfers ? Ich habe mal gelesen, es gebe eine „journalistische Sorgfaltspflicht“. Da ich kein Jurist bin, weiß ich nicht genau, was das ist. Der Autor in „Publik-Forum“ scheint es auch nicht zu wissen.

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2 Antworten to “Auflösung des Rätsels um die Spendengelder”

  1. Martin Wind Says:

    Lieber Bruder Robert,

    es freut mich, dass Sie direkt aus Afrika Stellung beziehen zu der Räuberpistole aus „Publik Forum/Zeitung kritischer Christen“.

    Seit September 2007 bin ich Pressesprecher der Kongregation der Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien. Ich hätte vor meinem Dienstantritt in Sankt Ottilien nicht gedacht, dass ich einmal Kontakt mit einem „Journalisten“ eines „christlichen“ Blattes haben würde, der sich aufführt wie man es von einem Boulevard-Journalist erwarten würde.

    Am 04. Oktober schrieb dieser Mann an den Abtprimas in Rom eine E-Mail, in der er um Stellungnahme zu den Vorwürfen bis zum !05. Oktober! bat: „Mein Redaktionsschluss, also meine Deadline ist Freitag, den 5.10.2007.“

    Welche Recherchetiefe kann man da noch erwarten?

    Als Begründung für seine Bitte um Stellungnahme schrieb er – aus heutiger Sicht nur als euphemisch zu werten – noch dazu: „Mir ist das Gespräch mit Ihnen wichtig, aus Informationsgründen und aus Gründen der Fairness.“

    Da der Abtprimas selbst in seiner damaligen Funktion als Erzabt und Präses der Kongregation nur am Rande erfuhr, was Peramiho in seiner rechtlichen und wirtschaftlichen Eigenständigkeit entschieden hatte, konnte er dem Schreiber eben keinerlei erschöpfenden Auskünfte zum Thema geben. Man bat mich darum, mit der Redaktion Kontakt aufzunehmen.

    Das habe ich getan. Ich habe mit dem Schreiber des Artikels ein langes Telefonat geführt, während dessen Verlauf sich bei mir immer mehr der Eindruck verfestigte, der Schreiber wolle eigentlich keinerlei Informationen, die seinen – meines Eindrucks nach – bereits geschriebenen Artikel zunichte machen könnte.

    Ich habe den Schreiber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass !alle! Vorwürfe seines Informanten gegenstandslos sind. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass wir das nicht nur behaupten, sondern dass sogar die Staatsanwaltschaft alle Vorwürfe geprüft habe und zu dem Ergebnis kam, dass die Aufnahme von Ermittlungen gegen die Beschuldigten vollkommen überflüssig sei, da sie nichts falsches getan hätten.

    Ich habe dem Schreiber vollkommmene Akteneinsicht angeboten; etwas, was man normalerweise nicht tut – warum auch? Ich habe ihm angeboten, mit ihm persönlich Vorwurf für Vorwurf durchzugehen.

    Er ist auf keines meiner Angebote eingegangen! Gleichzeitig erfuhr ich von ihm, dass er schon seit etwa drei Wochen mit dem Informanten im Gespräch war – die Beschuldigten hat er jedoch erst einen Tag vor Redaktionsschluss informiert und zur Stellungnahme gebeten.

    Dieses Vorgehen erinnert mich an Praktiken aus dem Tendenzjournalismus im Politikbetrieb: Man gaukelt Seriosität, Fairness und journalistische Sorgfalt vor, indem man nachweislich Kontakt zum Beschuldigten aufnimmt (E-Mail) – ihm aber gleichzeitig kaum oder noch besser keine Zeit zum reagiern lässt, damit man den „scoop“ nicht zerstört bekommt, den man vermeintlich an Land gezogen hat.

    Den Gipfel schiesst Publik-Forum aber im Editorial ab. Da schreibt doch tatsächlich ein Redaktionsmitglied – wie mir scheint mit einer erheblichen Portion Stolz – über „investigativen Journalismus“. Mal abgesehen davon, dass investigativer Journalismus sich darum bemüht, verheimlichte Vorgänge ans Tageslicht zu bringen (wir verheimlichen nichts), bemüht sich echter Journalismus immer darum, alle Seiten eines Vorganges zu beleuchten. Hätte die Truppe von Publik-Forum diesen journalistischen Grundsatz aber angewandt, so wäre die Geschichte so tot gewesen, dass sie nur noch missbrauchtes Papier hervorgebracht hätte. Wollte man sich das nicht antun – trotz besseren Wissens?

    Wie dem auch sei – lange Rede kurzer Sinn: Ich empfehle jedem, der zu dem Thema etwas wissen will einfach folgende Seiten:

    http://www.missionsbenediktiner.de/html/dinbrief_kongregationpdf.pdf

    und

    http://www.erzabtei.de/html/Aktuelles/Presse/2007/10/Stellungnahme_Peramiho.pdf

    Ihnen allen, die mit Interesse und offenem Herzen an diese Sache herangehen, wünsche ich klare Sicht auf die Vorgänge und einen wahrhaft „kritischen“ Verstand, der die Qualität der gebotenen „Zeitung“ und ihrer MitarbeiterInnen hiermit würdigen kann.

    mit herzlichen Grüssen aus dem herbstlichen Sankt Ottilien

    Martin Wind

  2. Nachtrag zum “Rätsel um die Spendengelder” « Ein Mescheder in Afrika Says:

    […] geblieben war. Wenn jemand sich dafür interessiert, wie “Publik Forum” arbeitet: Hier steht dieser Kommentar […]

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