Archive for September 2007

Rauchen und Schaufeln

28. September 2007

Das Foto zeigt die Kathedrale (d.h. Kirche des Bischofs) von Njombe (sprich n-dschombe), ungefähr 300 km nördlich von Peramiho. Gebaut hat sie einer der Brüder von Peramiho, ein gelernter Maurer (Architekten gibt es in diesem Land nur wenige; spezieller Gruß an Robin). Sein Arzt hat ihm einmal gesagt, „Sie sind doch Maurer. Wenn Sie so weiter rauchen, sollten Sie jetzt Ihre Kelle nehmen und Ihr Grab schaufeln.“ Der Schock hat gewirkt, er hat das Rauchen gleich aufgegeben. Bei Tisch sitzt er mir schräg gegenüber und macht einen durchaus gesunden Eindruck, die speziellen Grüße spare ich mir an dieser Stelle.

Erster Schultag

27. September 2007

Mittwoch bin ich endlich in der Schule angekommen. Peramiho Girls‘ Secondary School gehört den Tutzinger Missionsbenediktinerinnen, die oberte Chefin ist also deren Priorin, eine Amerikanerin. Mit der habe ich vor zwei Wochen gesprochen. Dann musste ich mit der Verwaltungschefin sprechen, einer deutschen Schwester, die lange Zeit in Klein-Olpe war. Bevor ich dann aber die Schule sehen konnte, musste ich mich erst bei der Schulleiterin, Mrs. Msabila, vorstellen. Also alles in der korrekten Reihenfolge, das scheint hier noch wichtiger zu sein als in Deutschland. Jetzt werde ich mir den Unterricht von einigen Lehrern anschauen, dann auch bald selbst in Form 3 (das ist ungefähr 10.Klasse) Physik unterrichten.

Natur, Teil 5

26. September 2007

Dieses schöne Tier hat sein Netz zwischen zwei Palmen in unserem Garten eingerichtet – wie gesagt, das Leben entfaltet sich hier intensiver – mehr Arten, mehr Farben, größere Lebewesen (die Menschen allerdings sind eher kleiner).

Ich war leider etwas zu schüchtern, um meinen Finger wirklich so nah an die Spinne zu halten – ich habe ihn mit The Gimp am Computer in das Foto hineinmontiert, damit ihr ungefähr eine Vorstellung von der Größe des Tierchens habt. (Das war jetzt keine Schleichwerbung, denn The Gimp ist freie Software).

Spezieller Gruß an P.Johannes in Wien, mit dem ich vor 10 Jahren hier die Spinnen betrachtet habe – er war deutlich begeisterter als ich.

Natur, Teil 4

25. September 2007

Die ersten Missionare unserer Kongregation sind auf dem Friedhof in Dar es-Salaam begraben, siehe Foto. Alles junge Leute, die nach ein oder zwei Jahren in Afrika gestorben sind. Chinin, das erste wirksame Mittel gegen Malaria, war damals noch neu, zu neu wahrscheinlich für diese konservativen Bayern. Als Norbert Weber, damals Abt von St.Ottilien, 1904 und 1905 seine große Afrika-Reise (Anreise per Schiff, Reise im Land zu Fuß) unternahm, hat er einige Anordnungen getroffen, um das Leben und die Gesundheit besser zu schützen. Dazu gehörte der berühmte, aber völlig nutzlose Tropenhelm, und die Prophylaxe (= Vorbeugung) mit Chinin. Man nahm täglich eine kleine Dosis Chinin. Das tötete dann den Malaria-Erreger, bevor der den Menschen töten konnte. Ein alter Bruder hat mir neulich erzählt, dass er noch den alten Abt Gallus Steiger kannte, der ganz gelb geworden war durch den jahrzehntelangen Chinin-Konsum. Chinin greift nämlich die Leber an. Aber natürlich besser alt und gelb als jung und tot. Heute wird die Prophylaxe wegen der Nebenwirkungen (Lariam z.B. kann Depressionen verursachen) nur bei kürzeren Reisen empfohlen, bei längeren Aufenthalten nimmt man die Medizin, sobald man an Malaria erkrankt ist. Peramiho hat zum Glück ein gutes Krankenhaus, so dass ich mir auch für den Fall einer Erkrankung keine Sorgen machen muss.

Ein neues Zeitalter bricht an

24. September 2007

Montag, 24.9.

5:30 Wecker schellt.

6:00 Morgengebet, Messe, Frühstück.

7:30 Sr. Deogratia, Elektrikerin, ruft an, dass wir um 9:30 nach Mgazini fahren.

9:30 Ein Mann spricht in Suaheli auf mich ein. Als er merkt, dass ich ihn nicht verstehe, spricht er schneller. Dann sucht er mühsam seine Englisch-Brocken zusammen, um mir zu erklären, dass Sr.Deogratia später kommt.

10:00 Abfahrt nach Mgazini. Das liegt ungefähr 25 km von hier entfernt und beherbergt eine Schule für Katechisten (siehe Foto). Katechisten sind so etwas Ähnliches wie Gemeindereferenten bei uns, sie geben unter anderem Reli in der Grundschule. Diese hier haben die siebenjährige Grundschule gerade hinter sich und absolvieren nun den vierjährigen Kurs in Mgazini.

10:40 Ankunft. Der Schulleiter lädt uns zu einem ausführlichen Tee ein.

11:20 Beginn der Arbeit: Wir läuten das Computerzeitalter für Mgazini ein, indem wir den mitgebrachten Computer auspacken und aufstellen. Der Schulleiter wird ihn von nun an wie seinen Augapfel hüten und niemand sonst wird den Computer benutzen dürfen, sagt er. An das Stromnetz ist Mgazini nicht angeschlossen, es gibt nur eine kleine Solaranlage, die gerade ausreicht, um ein paar Lampen und eben den Computer zu betreiben.

11:30 Fertig mit der Arbeit. Der Schulleiter zeigt mir das Gelände.

11:50 Rückfahrt.

12:30 Zurück in Peramiho. Für alle Mathe-Fans (an dieser Stelle ein spezieller Gruß an Henrik): Wie viel Prozent der Zeit war effektive Arbeitszeit ?

Natur, Teil 3

23. September 2007

Viel gefährlicher als Termiten (oder Löwen, oder Schlangen) sind hier die Mücken (Moskitos), genauer ca. 50 Arten der Anopheles-Mücken, die wiederum zur Familie der Stechmücken gehören. Sie übertragen die Malaria, die durch hohes Fieber zum Tod führen kann. Dagegen helfen Fliegengitter vor den Fenstern und Moskitonetze über den Betten. Wenn das Netz nicht gebraucht wird, muss man es wie auf dem Foto zusammenlegen, damit sich keine Mücken einnisten. Wenn man darunter schläft, stopft man es an allen vier Seiten gut unter die Matratze, damit wirklich nirgendwo eins von den Viechern durchschlüpfen kann. Das tue ich auch jeden Abend und finde es lästig.

Das Foto stammt übrigens aus dem „Restroom“ des Ambulatoriums von Kilimahewa. Ein solches Ambulatorium ist ein Krankenhaus ohne Ärzte und ohne Krankenbetten. Statt der Ärzte arbeiten „medical assistants“ dort, Krankenpfleger mit einer etwas besseren Ausbildung. Der „Restroom“ ist der einzige Raum mit Betten. Hier können die Mütter sich nach der Geburt ausruhen, bis sie dann nach ein paar Stunden wieder nach Hause gehen. Wenn sie viel Glück haben, müssen sie nicht zu Fuß gehen, sondern ihr Mann nimmt sie auf dem Beifahrersitz (wir würden „Gepäckträger“ sagen) des Fahrrades mit.

Und noch ein Hinweis für alle, die mal in die USA reisen wollen (an dieser Stelle ein spezieller Gruß an die gesamte Familie Grosser): „Restroom“ bedeutet dort etwas ganz anderes.

Warnung: „Natur, Teil 4“ wird grausam, und Leuten mit Ekelgefühlen wird ausdrücklich vom Lesen von „Natur, Teil 5“ abgeraten.

Essen und Trinken

21. September 2007

Langsam sollte ich mal anfangen, Nadjas Frage nach dem Essen und Trinken zu beantworten (spezieller Gruß an Nadja !). Es gibt hier ziemlich viele matunda (Früchte) zum Essen. Diese heißen limau, das Wort ist eines der wenigen portugiesischen Wörter, die ins Suaheli eingegangen sind. Hier ist es üblich, beim Mittag- und Abendessen jeweils eine ganze Zitrone in das Wasser- oder Teeglas auszupressen. Für genug Vitamin C ist also gesorgt. Andere portugiesische Wörter hier sind meza (Tisch) und gereza (Gefängnis). Aus der deutschen Sprache ist praktisch nur ein einziges Wort ins Suaheli eingegangen, dafür aber ein sehr schönes: shule. Falls jemand das nicht schön findet: Zumindest besser als gereza. Französische Wörter gibt es im Suaheli gar nicht, spezieller Gruß an Dennis.

Natur, Teil 2

20. September 2007

(Fortsetzung des vorletzten Artikels) Nachdem ich über das „intensivere Leben“ in den Tropen nachgedacht habe, gehe ich in mein altes Zimmer, um die letzten Sachen auszuräumen, greife ein Hemd, das seit einigen Tagen auf dem Boden liegt, und lasse es gleich wieder los. Ich habe das Gefühl, der Boden wäre in das Hemd hineingewachsen. Zwischen den Fliesen des Bodens befindet sich einfacher Lehmboden, und der hat nun mein Hemd erobert, mit Hilfe von Termiten. Termiten können tödlich sein, allerdings nicht, weil sie Fleisch fressen, sondern weil sie Holz und Lehmziegel fressen und so ganze Häuser zum Einsturz bringen. Ihr Bau besteht aus langen Tunneln, ober- und unterirdisch, und in meinem Fall auch inner-hemdisch. Nachdem ich das Hemd weggenommen (und ausgespült) habe, schaue ich mir die Stelle wieder an. Eben war da noch ein Gekrabbel von vielen kleinen weißen Tierchen, jetzt sind es nur noch wenige, und das Loch im Boden ist schon fast wieder geschlossen. Schnell mache ich ein Foto, auf dem noch zwei Termiten als weiße Flecke zu sehen sind. Das dramatische Ende der Geschichte: Br.Damian, der Hausmeister, sonst ein sehr freundlicher Mensch, schüttet sumu (Gift) in das Loch.
Vielleicht sollte ich das Foto noch etwas erklären: Es zeigt eine senkrechte und eine waagerechte Fuge zwischen den Fußbodenplatten. Die senkrechte sieht so aus, wie sie aussehen soll. Die waagerechte aber ist von den Termiten angefressen. Die beiden Termiten sieht man ganz rechts unten und ungefähr in der Mitte unterhalb der waagerechten Fuge, leider sind sie etwas unscharf, weil sie sich bewegt haben.

Umzug

19. September 2007

Inzwischen bin ich umgezogen. Mein erstes Zimmer hier lag im Erdgeschoss des Altbaus (auf dem vorigen Foto vor der Kirche zu sehen) und hatte eine eigene Dusche. Außerdem hatte es ein sehr romantisches Gewölbe (siehe Foto) wie eine mittelalterliche Kirche. Ich vermute, dass der Altbau im wesentlichen aus Lehmziegeln besteht und wenig Holz verwendet wurde. Das Dach des Altbaus ist jetzt schon schief und krumm, obwohl es erst 70 Jahre alt ist. Mein jetziges Zimmer hat die bessere Aussicht (liegt im ersten Stock) und vor allem den Internetanschluss. Das Ding über dem Bett erkläre ich bei Gelegenheit unter „Natur, Teil 3“. Aber morgen kommt erst einmal „Natur, Teil 2“.

Natur, Teil 1

18. September 2007

Wenn ich aus meinem Zimmer trete, habe ich diesen Blick. Was in diesem Garten alles wächst, ist einfach faszinierend (spezieller Gruß an meine Mutter !). Das Klima der Tropen führt dazu, das alles Leben intensiver ist. Kaum habe ich das Foto gemacht und diesen Gedanken gehabt, fällt mir ein, dass das nicht nur eine positive Seite hat. Fortsetzung folgt.