25. Oktober 2009 von rsk6400
Nein, wir sind kein Reiseveranstalter, wir sind ein Benediktinerkloster ! Und Kuba ist auch nicht der ideale Ort, um von dort aus die ganze Welt zu bereisen. Wenn man – wie wir – eine Aufenthaltsgenehmigung hat, braucht man nämlich für jede Ausreise eine Genehmigung. Wenn kein Notfall vorliegt, muss sie 70 Tage vorher beantragt werden.
Schon im August hatte ich den Antrag gestellt, und gleich nach meiner Rückkehr aus Europa hatte ich den Pass in der Nuntiatur an Sr.Mercedes übergeben, die sich freundlicherweise immer um solche Fragen kümmert. Mittwoch früh war ich wieder da. „Ihr Pass ist noch nicht zurückgekommen,“ sagte sie mir. „Aber wir fliegen morgen früh !“ – „Dann mache ich das dringend. Kommen Sie bitte um 15:30 Uhr wieder.“ Kurz nach halb Vier kommt sie von ihren Behördengängen zurück, macht zunächst einen nichts sagenden Gesichtsausdruck, dann lächelt sie und zieht meinen Pass aus ihrer Handtasche. Ich schaue mir die eingeklebte Ausreiseerlaubnis an und lächle nicht. 40 Tage stehen diesmal darin, die Reise soll aber 42 Tage dauern. Bei der Europa-Reise waren es 80 Tage gewesen, Martin und Cyrille haben 70 Tage erhalten. Da ich nicht weiß, wie es unterwegs mit der E-Mail-Verbindung sein wird, schreibe ich gleich eine E-Mail nach Deutschland, um den Rückflug 3 Tage vorzuverlegen.
Am Donnerstag steht pünktlich um halb Sieben morgens das Taxi vor der Tür, Martin, Cyrille und ich fahren zum Flughafen und landen knappe fünf Stunden später schon in Panama, wo wir umsteigen müssen. Netterweise fliegen wir vorher noch eine Schleife mit Blick auf den pazifischen Eingang des Panama-Kanals, siehe Foto.
Am Flughafen in Panama gibt es drahtlosen Internet-Anschluss kostenlos, und unsere Prokura in Deutschland ist auch auf Zack: So habe ich schon in dort die elektronischen Tickets mit dem um drei Tage vorverlegten Rückflug auf dem Rechner.
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20. Oktober 2009 von rsk6400
Gestern beim Einsteigen in den Bus: Vorne passte wirklich niemand mehr herein. Br.Jacques und ich gaben daher einem Passagier, der aus der Vordertür heraushing, das Fahrgeld, damit er es zum Fahrer weiterreichte. Der Fahrer öffnet die Hintertür, ich balanciere meine Baumwolltasche mit der linken Hand auf dem Kopf, während ich mich hinter Jacques ins Gedränge stürze, oder besser: drücke. Irgendwann gelingt es mir tatsächlich, einen Fuß auf die unterste Stufe zu stellen und mich mit der rechten Hand an der Haltestange der Tür festzuhalten (was etwas unpraktisch ist, da sich die Tür links von mir befindet). Jetzt versuche ich, mit der linken Hand die Haltestange zu erreichen, die sich – wie in jedem deutschen Linienbus auch – über den Köpfen der Passagiere befindet. Dafür stelle ich die Tasche erst einmal auf dem Kopf von Jacques ab. Praktischerweise drückt der Fahrgast, der hinter mir einsteigen will, mich kräftig die Treppe hoch. Mir ist nicht ganz klar, wo er eigentlich den Halt findet, den er dafür braucht. Aber egal, so lange er von hinten drückt, kann ich schlecht herausfallen (der Bus fährt jetzt langsam an, das tat auch der Bus vor meinem Fenster genau in dem Moment, wo ich das Foto oben gemacht habe). Während ich versuche, mit der einzigen freien Hand die Bänder meiner Tasche so zu ordnen, dass sie an meinem Handgelenkt bleibt, wird sie mir abgenommen und wandert von Hand zu Hand bis auf den Schoß einer Frau in der zweiten Reihe hinter der Tür. Sie lächelt mir freundlich zu, was besagen will, „Ich pass schon auf deine Tasche auf.“
Wenn wir ein Auto hätten, wäre das Leben natürlich bequemer, aber auch langweiliger.
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17. Oktober 2009 von rsk6400
Das Gebäude befindet sich in der Altstadt Havannas an der Calle San Ignacio, also auf dem Weg von der Kathedrale zur Plaza Vieja, dem schönen, alten Platz mitten im Zentrum.
Die große Tafel sagt: „Hinweis an die Gemeinschaft der Nachbarn. Dieses Gebäude ist dabei, von einer Gruppe von Übeltätern zerstört zu werden, die in es eindringen, um alles zu stehlen, was sie können. Das Schlimme sind nicht nur die Schäden, die sie schon an einer Immobilie verursacht haben, die zu Wohnungen für die, die sie nötig haben, bestimmt sein wird, gemäß den Planungen, die Sie kennen. Das wirklich Schlimme ist, dass sie dabei sind, die Mauern zu schwächen, die Wände zu zerstören, so dass sehr bald das Gebäude eine Ruine sein wird, so dass sogar Unglücke mit Personen auftreten können, die niemand vermeiden kann.
Lassen Sie das nicht zu. Organisieren Sie sich. Statuieren Sie ein abschreckendes Beispiel und retten Sie Ihre eigenen Häuser.
Büro des städtischen Denkmalpflegers.“
Fazit: Nicht nur wir Deutsche, auch die Kubaner haben eine Vorliebe für lange, komplizierte Sätze. Im ersten Satz kommt sogar eine Verlaufsform im Passiv vor (Spanisch: está siendo destruido, Englisch: is being destroyed, Deutsch: ist dabei, zerstört zu werden).
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15. Oktober 2009 von rsk6400
Gestern hatte ich endlich mal wieder das Vergnügen, in die Altstadt zu kommen. Die gehört (abgesehen von der immer noch großen Hitze) zu den schönsten Städten, die ich kenne (mit Paris, Sansibar, Jerusalem und Dortmund). Insofern würde ich eigentlich gerne etwas hier bleiben, aber wir sind auf Unterstützung angewiesen und müssen deshalb die Kontakte zu unseren Nachbarklöstern pflegen.
Nächsten Donnerstag fliege ich daher mit den beiden jungen Brüdern aus Togo, Martin und Cyrille, nach Venezuela und später von dort weiter nach Kolumbien. Unser Besuch gilt den Klöstern in Güigüe, El Rosal und Guatapé. Mit meinem europäischen Pass kann ich ohne weitere Probleme in diese Länder einreisen, aber meine Brüder haben das Pech, einen togolesischen Pass zu besitzen. Dass man für ein Visum ein Einladungsschreiben aus dem Zielland benötigt, ist weltweit üblich. Aber es ist hier gar nicht so leicht, an ein solches zu kommen. Per E-Mail ? Wird an der kolumbianischen Botschaft nicht akzeptiert. Per Post ? Dauert sehr lange und kommt nicht immer hier an. Also per Fax. Wir haben kein Fax, ich bitte unsere Brüder in Kolumbien, an den Sekretär des Erzbischofs zu faxen. Anfang September, einige Tage vor meiner Abreise nach Europa, ruft der an: „Das Fax ist da.“ Meine Begeisterung kennt keine Grenzen. Am Morgen meines Abreisetages bringe ich zusammen mit Cyrille die vollständigen Unterlagen zum Sekretariat der kubanischen Bischofskonferenz. Das will sich freundlichweise um alles weitere kümmern. Kaum bin ich in Europa, kommt eine SMS: „Die Bischofskonferenz braucht das Einladungsschreiben im Original.“ Wir schalten Raulito ein, den Fahrer des Kardinals und Nothelfer für alle Probleme jeder Art. Der überzeugt das Sekretariat der Bischofskonferenz davon, dass die Kolumbianer auch ein Fax akzeptieren.
Gestern waren Martin und Cyrille dann an der Botschaft, um ihre Pässe abzuholen – mit Visa. Ich bemerke: „Dafür, dass das Visum 100 Dollar kostet, haben die Kolumbianer wenig Service geboten.“ Cyrille erwidert, „Die Franzosen waren schlimmer.“ Für den Flug von Togo über Paris nach Kuba hatten unsere Brüder ein Transitvisum für Frankreich beantragt. Der Antrag kostete per Person 100 Dollar, aber das Visum wurde dann ohne Angabe von Gründen verweigert. Für das kolumbianische Visum zahlt man dagegen nur, wenn man es auch tatsächlich erhält.
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13. Oktober 2009 von rsk6400
Gestern Morgen war ich mal wieder zur Apostolischen Nuntiatur unterwegs, unserer großen Helferin in allen Fragen von Ein-, Ausreise- und Aufenthaltsgenehmigungen. Ich hatte meine Kamera dabei, aber unterwegs fand ich kein lohnendes Fotoobjekt, schließlich hatte ich den kurzen Weg schon dutzende Male zurückgelegt und abfotografiert. Erst als ich auf dem Rückweg schon wieder in unsere Straße einbog, hatte ich endlich die Fotogelegenheit, auf die ich schon Monate gewartet hatte: Das Auto eines Nachbarn. Ich hatte es schon oft gesehen, aber nie die Kamera dabei gehabt. Und wenn ich die Kamera dabei hatte, war der Käfer gerade unterwegs. Die Form kommt einem doch irgendwie bekannt vor, und dann auch wieder fremd. Jedenfalls habe ich neulich in einem Buch gelesen, die kubanischen Automechaniker seien die besten der Welt.
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11. Oktober 2009 von rsk6400
Seit vorgestern bin ich wieder in Havanna. Bei der Ankunft am Flughafen überraschten mich die Gesichtsmasken, mit denen das gesamte Flughafenpersonal ausgestattet war. Ach klar, dachte ich mir, ich komme ja aus dem Gebiet, das von der neuen H1N1-Grippe verseucht ist. Immerhin, ganz ernst nehmen Kubaner solche Vorsichtsmaßnahmen nicht. Als ich Schwierigkeiten hatte, die Zöllnerin zu verstehen, die für meinen Computerbildschirm 60 Peso Zoll forderte, nahm sie freundlicherweise ihren Gesichtsschutz ab. Leider sprechen Kubaner auch ohne Nase-Mund-Schutz undeutlich genug.
Außerhalb des Flughafens habe ich hier noch niemanden mit Maske gesehen, doch hat die Angst vor der neuen Grippe inzwischen auch Kuba erreicht. Gestern gab mir eine Bekannte die Hand mit der Bemerkung: „Wegen der Pandemie machen wir das jetzt ohne Küssen.“ Und nach der Messe heute gab P.Emmanuel extra den Hinweis der Gesundheitsbehörde an die versammelte Gemeinde weiter, man solle das Küssen zur Begrüßung unterlassen. Für Leser / innen, die mit der spanischen Tradition, die auch auf Kuba herrscht, nicht vertraut sind: Hiers geben sich auch gänzlich unbekannte Personen zur Begrüßung einen Wangenkuss, wenn mindestens eine der Beteiligten eine Frau ist.
Nach einiger Diskussion mit der maskenlosen Zöllnerin und ihrer Chefin konnte ich es übrigens vermeiden, die 60 Peso (knapp 50 Euro) für meinen vier Jahre alten Bildschirm zu bezahlen.
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11. September 2009 von rsk6400
Vorgestern bin ich in Deutschland gelandet. Es gibt einiges zu besorgen und zu organisieren, und außerdem heiratet mein künftiger Schwager
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Ich möchte Deutschland nicht als „langweilig“ bezeichnen, aber ganz so spannend wie auf Kuba ist es hier doch nicht; daher setze ich das Blog erst fort, wenn ich am 11.10. wieder dort bin.
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7. September 2009 von rsk6400
Das nächste Kloster unserer Kongregation liegt in Kolumbien. Unsere Brüder aus Togo brauchen ein Visum, um dorthin reisen zu können. Die Botschaften befinden sich in einem Villenviertel, nur eine Viertelstunde Fußweg von unserem Haus entfernt. Doch ich dachte, mit dem Rad ginge es noch schneller …
Als ich ankomme, hat die Botschaftsangestellte gerade einige Personen in die Botschaft gelassen und ist dabei, das Gittertor wieder abzuschließen. „Sie müssen erst Ihr Fahrrad abstellen. Sie können dann mit der nächsten Gruppe hereinkommen,“ sagt sie mir. Der Wachmann sagt mir, „Hier können Sie das Rad nicht abstellen. Sie der erste, der je mit einem Fahrrad gekommen ist.“ Er erweist sich aber als sehr hilfsbereit: Das Tor zur Einfahrt der Nachbarvilla steht auf, er geht mit mir dahin, pfeift auf seiner Wachmannstrillerpfeife, damit der Wächter der Nachbarvilla kommt und ich mein Rad dort abstellen kann. Als nach einigen Minuten immer noch niemand gekommen ist, bedanke ich mich freundlich und sage ihm, dass ich das Rad bei der Apostolischen Nuntiatur abstellen werde. Diese Botschaft des Vatikans befindet sich zum Glück gleich in der nächsten Straße.
Trotz ihres Furcht einflößenden Namens arbeiten in der Nuntiatur freundliche und hilfsbereite Leute. Der Pförtner kennt mich, weil ich ständig in irgendwelchen Visaangelegenheiten komme (das Foto zeigt den Warteraum für Besucher), und so ist es auch kein Problem, mein Fahrrad dort zu parken. Die Frau an der kolumbianischen Botschaft ist zwar auch freundlich, aber nicht besonders hilfsbereit. Und so fahre ich nach stundenlangem Warten mit nichts weiter zurück als dem Wissen, dass die Einreise nach Kolumbien noch komplizierter ist als gedacht.
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3. September 2009 von rsk6400
Ich sitze gerade in der Lobby des Hotels Melia Cohiba, wie jedes Mal, wenn ich eine Internetverbindung benötige. Mein Fahrrad habe ich draußen dem wachsamen Auge des Parkwächters anempfohlen. Gleich werde ich ihm 5 Peso (15 Euro-Cent) Trinkgeld geben, den Betrag hat mir ein kubanischer Freund empfohlen.
Viele Kubaner verdienen 300 Peso im Monat, das wären also 10 Euro. Ein gut ausgebildeter Chirurg kommt auf 800 Peso. Man muss allerdings wissen, dass viele Dinge spottbillig sind (Medikamente kosten um die 2 Peso, wir haben jeden Monat eine Gasrechnung von 4 Peso), und dass die Kubaner jeden Monat eine Lebensmittelkarte erhalten, auf die es einen Teil der Grundnahrungsmittel kostenlos gibt.
Neulich verließ ich das Hotel, gab dem Parkwächter 5 Peso und kaufte mir gleich gegenüber ein Eis für 38 Peso (1,30 Euro, dasselbe Eis desselben internationalen Konzerns kostet in Deutschland 2 Euro). Mein schlechtes Gewissen verflog schnell, als derselbe Parkwächter kam und sich dasselbe Eis kaufte. Ich vermute, dass der durchschnittliche Tourist ihm einen Dollar an Trinkgeld gibt. Wenn er von den Trinkgeldern jeden Tag ein Eis kauft, bringt er wohl immer noch mehr Geld nach Hause als der Chirurg.
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2. September 2009 von rsk6400
Immer wieder rufen mir Leute zu, „La pata – Die Pfote !“, wenn ich mit dem Rad durch die Stadt fahre. Die begleitende Geste ist so eindeutig, dass ich schon beim ersten Mal gemerkt habe, was mit „Pfote“ gemeint ist: Die Feder, die meinen Fahrradständer festhalten soll, ist altersschwach (immerhin ist das Rad der chinesischen „Shanghai Bicycle Factory“ fast ein halbes Jahr alt), und der Ständer ist mal wieder heruntergefallen. Natürlich kann einem das auch in Deutschland passieren, dass man freundlich auf so ein Problem hingewiesen wird. Aber hier passiert es viel häufiger.
Überhaupt scheinen mir die Kubaner sehr fürsorglich zu sein. Die folgende Geschichte ist mir so ähnlich mehrmals passiert: Ich sehe durch das große Schaufenster die Badelatschen, nach denen ich suche. Ich stelle das Rad vor dem Schaufenster ab. Eine junge, schwarze Frau sagt mir: „Sei vorsichtig, das wird hier gestohlen.“ Ich sage: „Ach, ich kann es doch durch das Schaufenster sehen.“ Während des kurzen Einkaufs behalte ich das Rad im Blick, die Frau steht immer noch daneben und zeigt auf das Fahrrad, dann auf ihr Auge. Ich bedanke mich freundlich für ihre Aufpasserdienste, sie fordert kein Geld dafür.
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