Archiv für die Kategorie ‘Kuba: Das Kloster’

Land für zwei Ritter

1. September 2009

„Am Montag wird der Vertrag unterzeichnet“, diese Nachricht bekamen wir am Freitag. So schnell hatten wir nicht damit gerechnet, denn wir wissen ja, dass das Zeitgefühl hier ein anderes ist. Gestern, Montag, fuhren also der Kanzler des Erzbistums, der Rechtsanwalt, Br.Jacques und ich nach Jaruco. Im örtlichen Büro des Landwirtschaftsministeriums wurde dann der Vertrag unterzeichnet, durch den die katholische Kirche für 25 Jahre das Nutzungsrecht an 2 Caballerias Land erhält. Eine Caballeria bezeichnet das Land, das irgendwann früher mal für einen Caballero (Ritter) gedacht war, es handelt sich um 13,2 ha. Auf diesem Grundstück in der Nähe von Jaruco wollen also wir sechs Mönche ein Kloster bauen. Für einen Bau braucht es dann noch 13 Genehmigungen (der Rechtsanwalt kannte die Zahl auswendig), aber erst einmal haben wir das Gefühl, einen großen Schritt voran gekommen zu sein. Das Foto zeigt den Blick von einem Hügel in der Nähe, irgendwo links liegt das noch nicht vorhandene Kloster.

Bei seinem Besuch vor einem Monat hatte Erzabt Jeremias (auf dem Foto unten zwischen Kardinal Ortega und Jacques) auch mit dem Kardinal gesprochen. Der hatte ein Gespräch mit einem Vertreter der Partei organisiert, der wiederum hatte den September als Termin für die Vertragsunterzeichnung genannt. Jetzt hat das sogar noch im August geklappt !

Das letzte Stück der Strecke haben Jacques und ich im Auto des Rechtsanwalts zurückgelegt, was Kindheitserinnerungen weckte: So einen Käfer hatte meine Mutter (spezieller Gruß !) früher. Der kubanische Käfer wurde vermutlich gebaut, als ich gerade zur Schule kam, aber immerhin rastete der Beifahrersitz ordentlich ein (das war bei unserem Käfer damals nicht der Fall), zum Ausgleich funktionierte der Fensterheber nicht.

Der Vertreter Asiens

18. August 2009

Ich bin noch nicht dazu gekommen, den Vertreter Asiens in unserer Gemeinschaft zu erwähnen. P.Vianney Smith aus dem Kloster Digos auf den Philippinen ist jetzt schon einen ganzen Monat bei uns. Die Fotos zeigen ihn beim Zusammenbau eines Grills, denn Küchenarbeit ist eine Lieblingsbeschäftigung von ihm. Die Qualität unseres Essens ist seit seiner Ankunft deutlich gestiegen. Vorher war sie auch nicht schlecht, aber weder selbst gemachte Mango-Marmelade noch Avocado-Saft noch Oyster-Sauce waren in unserem Haus bekannt.

Mit der Sprache hat er bisher leider wenig Glück gehabt. Wie Kuba waren auch die Philippinen früher eine spanische Kolonie, so sind einige spanische Fremdwörter in die philippinische Nationalsprache Tagalog und auch in Vianneys Muttersprache Cebuano eingegangen, z.B. „lamesa“, „Tisch“, auf Spanisch allerdings „la mesa“, „der Tisch“. In Digos aber war kein Spanisch-Lehrer aufzutreiben, so hat er den Monat, während er auf die Einreisegenehmigung für Kuba wartete, in unserem Kloster Güigüe in Venezuela verbracht, um dort Spanisch zu lernen. Leider liegt Güigüe (sprich „Gwigwe“) so abgelegen, dass auch dort kein Lehrer aufzutreiben war. Als er dann hier war, stand der Besuch des Erzabtes an, da hatten wir alle keine Zeit für den Spanisch-Unterricht. Vorletzte Woche hatte er dann drei Stunden Einzelunterricht. Und letzten Montag rief unser Spanisch-Lehrer an: Er hat eine neue Stelle gefunden, deshalb kann er nicht mehr zu uns kommen. Das gönnen wir unserem netten und hochgebildeten Lehrer von Herzen, aber für uns bedeutet es natürlich, dass wir erst einmal einen neuen Lehrer suchen müssen. Und ob wir so einen guten wieder kriegen ?

Wo sind wir ?

10. Juli 2009


Das Foto ist gestern Abend auf dem Weg zum Teatro Karl Marx (siehe vorigen Artikel) entstanden. Links unter dem „K“ sieht man das Türmchen unserer Kirche, in der Mitte unter dem „R“ das höchste Gebäude Havannas, der José Marti gewidmete Turm an der Plaza de la Revolution, weiter rechts unter dem „P“ befindet sich der Turmstumpf der nie zu Ende gebauten Pfarrkirche, zu deren Bezirk wir gehören. Das blaue Gebäude im Vordergrund ist die Bäckerei, von der hier schon öfter die Rede war, und am rechten Bildrand ist deutlich die alte Festung zu erkennen, die zur Verteidigung der Mündung des Almendares diente. Die Mündung dieses
Flüsschens bildet eine kleine Bucht, von deren anderer Seite aus ich fotografiert habe.
Das heranziehende Gewitter brach freundlicherweise erst los, als ich nur noch wenige Meter von unserem rettenden Hauseingang entfernt war, ich bin also kaum nass geworden.

Guten dia together

4. Juli 2009

Jürgen Habermas, der große deutsche Philosoph, der letzten Monat 80 Jahre alt wurde, meint, dass Sprache grundsätzlich das Ziel der Verständigung und der Wahrheit hat. Wenn man so will, ist die Sprache die Kraft, die die Welt verbessert.
Also beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Sprachen: Mit Jacques (aus Togo) spreche ich (aus Deutschland) meistens Englisch, mit Emmanuel (aus Bayern) Deutsch, mit Cyrille (aus Togo) meistens Spanisch, wenn es schwieriger wird, Französisch. Mein Französisch ist deutlich besser geworden, seit unsere Brüder aus Togo eingetroffen sind, aber weder Französisch noch Spanisch fallen mir leicht. Mit Martin (aus Togo) spreche ich Französisch, mit unserem kubanischen Gast Spanisch. Zweimal die Woche bringe ich ihm Englisch bei. Wenn Martin und Cyrille unter sich sind, sprechen sie Kabié, ihre gemeinsame Muttersprache. Emmanuel ist der einzige von uns, der nicht mehr Spanisch lernen muss, er spricht mit Jacques Deutsch oder Spanisch, Jacques antwortet auf Englisch oder Spanisch. Jacques’ Muttersprache, das Ewé aus dem Süden Togos, wird von niemandem sonst gesprochen, aber er spricht alle erwähnten Sprachen, einschließlich Kabié, und lernt Spanisch mit einer Leichtigkeit, die sogar unseren Spanischlehrer überrascht, der wiederum perfekt Französisch und einigermaßen Deutsch spricht. Englisch und Italienisch kann er auch.
Neulich hatten wir zum ersten Mal eine gemeinsame Besprechung auf Spanisch, die aber dann irgendwo zwischen pfingstlichem Sprachwunder und babylonischem Chaos endete.

Das Foto stammt aus meiner Zeit in Peramiho, wo noch drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Suaheli) ausreichten, um den Alltag zu bewältigen. Es zeigt den Turmbau zu Babel (Bild von P.Polykarp Ühlein in der Kathedrale von Songea).

Ortstermin

17. Juni 2009

Unser Haus an einer der Hauptstraßen Havannas ist nicht nur laut, sondern auch relativ klein.
Acht Zimmer reichen gerade für eine Gemeinschaft von sechs Mönchen und für zwei Gäste. An das, was Benediktiner so gerne tun, Einkehrtage, Bildungsarbeit, ist da nicht zu denken.
In Jaruco, etwa 40 km vor der Stadt, will die Regierung uns den Nießbrauch von zwei Caballerias („Rittergrundstücke“; dieses alte Maß für 13 ha ist hier noch gebräuchlich) überlassen.
Dort werden wir dann hoffentlich mehr Entfaltungsmöglichkeiten haben. Gestern haben wir das Grundstück zum ersten Mal besichtigen können. Die Erlaubnis der Behörden war per Telefon schnell erwirkt, der Fahrer des Kardinals war mal wieder so freundlich, uns zu fahren.
Das Gelände liegt seit Jahren brach, die Natur ist aber urig-schön, siehe Fotos.

Aussichten

30. Mai 2009

Im Moment haben wir jede Woche morgens Spanisch-Unterricht und haben deshalb nach jemandem gesucht, der uns in der Küche helfen kann. Gefunden haben wir einen pensonierten Schiffskoch, dessen Frau die Küchenchefin im Bischofshaus ist. Der Kardinal, der am Dienstag zu Besuch war, meinte spontan, „Oh, der kocht gut.“ Das finden wir auch, er kommt ein- oder zweimal täglich, fegt wie ein Wirbelsturm durch die Küche und hinterlässt ein gutes Essen. Er spricht leider genauso schnell, wie er arbeitet. Und dann wirft er mir auch noch vor, dass ich nichts verstehen würde. Am Donnerstag, vorgestern, wollte er uns zum Mittagessen eine Pizza aus dem Bischofshaus mitbringen (er fährt ein eigenes Auto). Ein außergewöhnlich heftiger Regen brachte aber den Verkehr in weiten Teilen der Stadt zum Erliegen, er kam nicht, und die Pizza auch nicht. Jacques warf also unsere letzten drei Eier in die Pfanne, ich ging zum Bäcker um die Ecke, um noch etwas Brot zu kaufen. Die kleine Seitenstraße, die uns von der Bäckerei trennt, musste ich dabei förmlich durchwaten. Immerhin habe ich eine gute Regenjacke, im Gegensatz zu dem Reiter, der völlig unerwartet auf dem Bürgersteig gegenüber unserem Haus auftauchte, und von dem ich noch schnell ein Foto machte, bevor ich zur Bäckerei ging. Jedenfalls sind alle satt geworden, und wir haben uns dann zum Abendessen über die Pizza gefreut.

Reiter habe ich hier vorher noch nie gesehen, es gibt allerdings einige Pferdekutschen für Touristen.

Einblicke

27. Mai 2009

Am Sonntag hat P.Emmanuel in seiner Predigt den Gottesdienstbesuchern (sonntags kommen knapp 100, an den Wochentagen bis zu 20) ein paar Einblicke in unser Klosterleben gegeben. Ich tue es ihm nach und verrate ein paar Dinge aus unserem Alltag. Außer der Kirche spielt natürlich die Küche eine wichtige Rolle. In den ersten beiden Wochen hat Prior Jacques das Kochen übernommen. Das Foto zeigt Emmanuel und Martin mit den Ergebnissen seiner Kunst: Fisch, Soße, Nudeln und gebratenen Bananen. Cyrill und ich waren ziemlich stolz, dass es uns gelungen war, Fisch zu besorgen, denn wir sind für den Einkauf zuständig, ich zusätzlich für das Geld, ohne das auch im Kloster wenig funktioniert.
Während der vorigen habe ich Jacques abgelöst. Er hat mir bei der Gelegenheit gezeigt, wie man Omelett brät. „Der Koch, bei dem ich gelernt habe, gibt pro Ei einen Löffel Wasser hinzu.“ Für mich eine Neuigkeit: Jacques hat nicht nur Goldschmied gelernt und Theologie studiert, sondern hat auch bei dem französischen Chefkoch eines großen Hotels in Lome, der Hauptstadt Togos, gelernt. Wir hatten also echte französische Küche, und nicht die schlechteste !

Abgründe

12. Mai 2009

Am Sonntag habe ich mit den beiden neu angekommenen Brüdern Martin und Cyrille das Castillo de los Tres Reyes del Morro besichtigt, die imposante Festung an der Hafeneinfahrt. Von hier aus haben die Spanier 400 Jahre lang Havanna verteidigt, nur einmal, 1762, konnten die Engländer die Festung und anschließend auch die Stadt erobern.

Als ich das Foto oben machte (unten noch mal ein Ausschnitt aus demselben Foto), habe ich mir leider nicht viele Gedanken um den Mann in der Mitte gemacht. Deshalb habe ich dann auch den Moment verschlafen, in dem er vom Felsen ins Wasser sprang (er hat den Sprung überlebt).


Gestern, am Montag, stand mir das Bild vom Sprung in die Tiefe wieder vor Augen: In unserem Haus haben wir nämlich sehr praktische Schlösser: Man braucht innen nur einen Knopf zu drücken, die Tür zuzuziehen, und schon – hat man sich ausgesperrt. Genau das ist Br.Martin passiert. Allerdings stand sein Fenster offen – im zweiten Stock rechts, siehe Foto unten. Die folgende Aktion war ein Musterbeispiel für die Klischees, die man so von verschiedenen Völkern hat. Martin als Togolese (risikobereit, optimistisch, sportlich) klettert zunächst mit seinen Badelatschen auf dem Dach zwischen Haus und Kirche herum, um das Fenster vielleicht von dort zu erreichen; mir als Deutschem (sicherheitsbewusst, pessimistisch) bleibt dabei fast das Herz stehen. Martin (optimistisch) legt dann die ausfahrbare Leiter an die Wand an, viel zu steil wie ich (sicherheitsbewusst) finde. Auch habe ich (technisch begabt, pessimistisch) natürlich sofort gesehen, dass die Leiter nicht reichen wird. Also hole ich (technisch begabt) meinen Werkzeugkasten, um das Schloss aufzubrechen.
Cyrille als Togolese (technisch noch begabter) zerlegt das Schloss mit dem Werkzeug so geschickt, dass die Aktion kaum Spuren hinterlässt. Martin (risikobereit, sportlich, kreativ) hat in der Zwischenzeit ein Seil so an eine Eisenstange gebunden, dass er sich vom Dach aus hätte zum Fenster abseilen können. „Ich schaffe 10 m in 8 Sekunden,“ sagt er (sportlich, nicht bescheiden) über seine Leistungen im Seilklettern. Ich (sicherheitsbewusst, pessimistisch) bin froh, dass er seine Kunst nicht demonstrieren musste.

P.S. Beim Thema „Klischees“ wandelt man ja über Abgründen. Falls ihr also den Eindruck habt, diese Geschichte hätte die Klischees nur bestätigt, dann habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

Inatosha

8. Mai 2009

Am Montag sind unsere drei Brüder aus Togo endlich eingetroffen, wie schon geschrieben. Am Dienstag und am Mittwoch mussten wir dann erst einmal planen. Zwei lange Sitzungen, in denen P.Emmanuel (aus Bayern) meist Deutsch sprach, ich Englisch, Br.Martin und Br.Cyrill (beide aus Togo) Französisch. Br.Jacques (der Prior, ebenfalls aus Togo) hat alle drei Sprachen benutzt und übersetzt. Br.Martin kann ein wenig Englisch, Br.Cyrill hat sich ohne Lehrer in Togo schon etwas Spanisch beigebracht. Am Abend hat Emmanuel uns dann noch in das spanische Stundengebet eingeführt und dabei Spanisch gesprochen. Ich habe ins Französische übersetzt, obwohl ich das genauso schlecht kann wie Spanisch.
Als Jacques am Abend nicht auf ein einfaches französisches Wort kommt, sage ich: „Du hast heute in vier Sprachen kommuniziert. Inatosha.“ Er grinst, Suaheli haben wir nämlich noch nicht benutzt; in dieser Sprache heißt inatosha, „Das reicht“.
Unsere Aufgaben in den nächsten Wochen: Spanisch lernen und Spanisch lernen und Spanisch lernen.

Angekommen

5. Mai 2009

Gestern sind endlich unsere drei Brüder aus Togo angekommen, jetzt fehlt nur noch der eine Philippino, dann ist unsere kleine Gemeinschaft von sechs Leuten endlich bereit zur Klostergründung.