Archiv für die Kategorie ‘Kloster’

Hanga

13. Januar 2009

Heute Mittag bin ich aus Hanga zurückgekommen. Die Abtei Hanga (Foto oben) ist in den 1950er Jahren von Peramiho aus gegründet worden als Kloster für afrikanische Mönche. Peramiho war damals rein deutsch; erst Anfang der 80er wurden auch hier tansanische Mönche aufgenommen. Was für mich immer den üblen Beigeschmack der Rassentrennung hatte, wurde zu meiner Überraschung von den beiden jungen Afrikanern Br.Mukasa und Br.Bakanja heftig verteidigt: „Abt Eberhard (der damalige deutsche Abt von Peramiho) wollte den Afrikanern nur die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung geben, gemäß unserer eigenen Kultur.“

In Peramiho hat man manchmal ein wenig herablassend gemeint, die in Hanga würden zu viel beten und zu wenig arbeiten. Es hieß sogar, Abt Eberhard habe in Hanga ausdrücklich gesagt: „Ihr müsst nur beten, ich zahle.“ Abt Eberhard (gestorben 1990) kann ich nicht mehr fragen, aber den uralten P.Gregory, der zu den ersten vier afrikanischen Benediktinern in Hanga gehörte und das Kloster lange Zeit geleitet hat, habe ich gestern gefragt. Nein, so sagt er, das hat Abt Eberhard nie gesagt. Stolz erzählt er, wie er nach seinem Rücktritt in Hanga (aus Altersgründen) ein neues Kloster in Sambia aufgebaut hat: Am Anfang hätten die Sambier auf die Mönche aus Tansania herabgeschaut, weil die gar nichts hatten. Aber schon nach kurzer Zeit wollten alle Sambier das gut genährte Vieh der Tansanier kaufen, durch den Fleiß der Tansanier habe sich das Blatt gewendet. Und die drei „Schlüssel zum Erfolg“ habe er auf seinen vielen Reisen nach Deutschland – 13mal war er dort – gelernt: Ujuzi (Wissen / Können / Know-How), utendaji (Tätigkeit, Fleiß) und uaminifu (Zuverlässigkeit). Nur die deutschen Brüder, die immer nur „Arbeit“ (das Wort sagt er auf Deutsch) im Kopf hatten, hätten doch etwas übertrieben.

Das Foto unten zeigt Br.Bonaventura, ebenfalls einer der vier Gründer von Hanga.

Uwemba

8. Januar 2009

Das „Obere Gebiet“ war früher für die Missionare von Peramiho so etwas Ähnliches wie Sibirien: Nur über Peramiho führte der Weg in die abgelegene Gebirgsgegend um Uwemba im Norden, und selbst bis Peramiho war die Anreise schon beschwerlich genug. Durch den Bau der Asphaltstraße haben sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt: Uwemba liegt jetzt am Weg nach Peramiho (Dar es-Salaam – Uwemba 9 bis 10 Stunden, von dort sind es dann noch einmal 3 bis 4 Stunden bis Peramiho). Von den vielen Missionsstationen, die es früher im „Oberen Gebiet“ gab, sind heute nur noch die Pfarrei Mlangali mit einem deutschen Benediktiner und das Priorat Uwemba mit 4 deutschen, 2 tansanischen, je einem Schweizer und philippinischen Mönch übrig geblieben. Etwas oberhalb von 2000 m Meereshöhe gelegen, hat Uwemba ein sehr angenehmes Klima. Die Landschaft erinnert etwas an Schottland. Der Junge war im Dezember so nett, sich von mir fotografieren zu lassen, als ich mit meinen Eltern dort war.

Afrikanische Nacht

25. November 2008

Straßenbeleuchtung gehört zu den Dingen, die in Deutschland so selbstverständlich sind, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt. Auch in Peramiho gibt es Straßenbeleuchtung, das macht das Leben einfacher, und vor allem dient es dem Schutz vor Dieben. An einem Abend der letzten Woche um 9 hatte ich gerade mein Fahrrad in die Hand genommen und mich auf den Weg von „unserem Bauernhof“ zur Abtei gemacht, als es mit einem Schlag richtig finster wurde: Stromausfall. Kein Mond am Himmel und wirklich nirgendwo irgendeine Lampe zu sehen. Ich kenne den Weg inzwischen sehr gut, und die Häuser waren wenigstens als schwarze Schatten erkennbar. Ich habe also mein Fahrrad geschoben, so dass ich eventuelle Hindernisse an den Bewegungen des Vorderrades erkennen würde (Dass Fahrräder kein Licht haben, gehört zu den selbstverständlichen Dingen hierzulande), und habe es genossen, einmal so richtig die Sterne sehen zu können. Als das Licht nach ein paar Minuten wieder anging, habe ich das fast bedauert.

Seit einigen Wochen steht unser Wasserkraftwerk still, wie jedes Jahr, bevor genug Regen gefallen ist, um den Stausee zu füllen (das Foto oben ist im August entstanden, da war er noch randvoll). In dieser Zeit kommt der Strom aus den beiden Dieselgeneratoren in unserer Elektrowerkstatt. Die sind etwas älter und fallen ein- oder zweimal pro Tag aus, gerne auch nach Feierabend. Dann muss Br.Wolfram, der gelernte Elektriker, oder Br.Martin, der Lehrling, in die Werkstatt laufen, das Problem feststellen und den Generator neu starten. „Wenn das nachts passiert, rufen die Wächter mich an,“ sagte Wolfram mir. Da unangenehme Aufgaben hier gerne an die Untergebenen abgetreten werden, war ich überrascht, dass er diese Aufgabe nicht an den Lehrling weitergegeben hatte. Seine Begründung: „Martin ist in der Ausbildung. Es wäre nicht gut, wenn er im Unterricht einschlafen würde.“ Respekt.

Der lustigste Stromausfall ereignete sich neulich während des Gottesdienstes abends. Br.Anselm las gerade aus dem Buch der Offenbarung vor: „Es wird keine  Nacht mehr geben,“ Es wurde finster, und er stoppte exakt bei dem Komma. Als der Strom wieder da war, fuhr er mit dem Rest des Satzes fort: „und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne.“

Während ich dies schreibe, ist gerade wieder Stromausfall, aber mein Computer hat eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung, kann also einige Minuten von der Batterie zehren.

Das Foto unten stammt ebenfalls aus Likingo und zeigt eine Liane von unten.

Gratulation

5. November 2008

Nein, nicht, was ihr jetzt denkt. Die Gratulation bezieht sich auf jemand anderen: Heute Morgen habe ich Sr.Sigwina zum Geburtstag gratuliert. Sie war früher Englisch-Lehrerin an der „Middle School“, der unmittelbaren Vorgängerin unserer heutigen Schule. Angesichts ihres Alters war ich etwas überrascht, dass sie ohne irgendeine Schwierigkeit aufstand, um den Glückwunsch entgegenzunehmen. Erstaunlich auch ihre Fähigkeit, sich zu unterhalten. Dass sie sich ziemlich oft nach meinem Namen erkundigt hat, hat das Gespräch nicht wirklich gestört, denn sie kann sich noch gut an ihre Lehrerinnen-Zeit erinnern und gab mir so manche Weisheiten mit – „Das Wichtigste ist, dass man die Schüler gern hat“ (Das hat einer meiner besten Ausbilder im Referendariat auch gesagt) – „Die Schwarzen sind ja vor allem am praktischen Nutzen interessiert“ (Ich bin mir da nicht ganz so sicher).

Kennengelernt hatte ich Sr.Sigwina übrigens erst im August. Ich hatte den Abtprimas auf seinem Krankenbesuch begleitet (siehe Artikel vom 22.8.), weil ich dachte, einige der Kranken würden sich wohl über ein Foto von sich gemeinsam mit dem Abtprimas freuen. Damals meinte Sr.Sigwina, sie wolle noch gar nicht so bald sterben, schließlich lebe sie gerne. Heute wirkt sie noch munterer als damals, offensichtlich macht es ihr Spaß, dass alle Leute kommen und ihr zum hundersten Geburtstag gratulieren.

Das Foto zeigt, wie sie Abt Anastasius zwingt, sich drei von den 100 Bonbons zu nehmen, die sie geschenkt bekommen hat. Links ist das Modell des Kölner Doms zu erkennen, das er der alten Kölnerin geschenkt hat.

Arbeit auf dem Bauernhof

4. November 2008

Um die alltäglichen Dinge (Kochen, Hühnerhaltung usw.) muss ich mich nicht kümmern, die laufen genauso problemlos ab, wie sie an der Schule auch ablaufen. Aber es gibt genug Kleinigkeiten, für die ich zuständig bin, und die hier nicht immer so glatt laufen, wie das in Deutschland der Fall wäre. Kandidat Cornelius fährt für zwei Wochen zu seinen Eltern. Durch verschiedene Missgeschicke verzögert sich seine Abreise bis sechs Uhr abends, dann stellt sich heraus, dass er noch nicht gepackt hat, und außerdem noch nie bei Nacht in Songea angekommen ist. Ich bin etwas überrascht, weil ich bisher davon ausging, dass Reisen zu den vielen Dingen gehört, bei denen junge Tansanier sehr selbständig sind. Also bleibt mir nichts übrig, als noch schnell ein Auto zu besorgen, Postulant Norbert mitzunehmen, der sich in Songea auskennt, und meine erste Nachtfahrt hier in Tansania zu unternehmen. Mit Norberts Hilfe findet er ein ordentliches Einzelnehmer für 5000 Shilling (gut 3 Euro). Ich vermute, dass das Frühstück nicht im Preis inbegriffen ist, denn er muss am nächsten Morgen um 5:30 Uhr am Bus sein, der ihn nach Iringa bringt, wo er wohl gegen Mittag eintreffen wird.

Das Foto zeigt unser Haus, die Hühner sind allerdings nicht drauf (sie wären weiter links).

Mein kleiner Bauernhof

3. November 2008

Ich bin in Dortmund aufgewachsen, und Bauernhöfe waren für mich immer eine ziemlich (!) fremde Welt. Doch seit Donnerstag höre ich morgens als erstes das Krähen der Hähne. Wo bin ich da gelandet und wieso ?

Sonntag vor acht Tagen klopfte Br.Mauro, ein junger afrikanischer Mönch, bei mir an die Tür. Etwas zögernd brachte er die Bitte vor, ob ich ihn während seines Urlaubs vertreten könnte, es sei ja nicht viel Arbeit. Zum Glück ist er nicht für die Hühner zuständig, sondern für die Kandidaten und Postulanten. Das sind die jungen Männer, die ins Kloster eintreten wollen, aber noch nicht ins Noviziat aufgenommen worden sind. Sie wohnen noch nicht im Kloster, sondern in einem abgelegenen Winkel des Berufsschulkomplexes, komplett mit Fernsehzimmer, Unterrichtsraum, Kapelle, Speisesaal und Hühnerstall. Wie viele Hühner es genau gibt, habe ich noch nicht herausbekommen, aber Küken gibt es 59. Das mit „nicht viel Arbeit“ stimmt nicht so wirklich. Deshalb muss ich den Artikel an dieser Stelle auch etwas plötzlich abbrechen.

Schon wieder: Wasser

21. August 2008

In dem Artikel von vorgestern habe ich mich ein wenig über den Aushang von Br.Mukasa lustig gemacht. Mukasa war vorgestern nicht bei dem Festessen zu Ehren unserer Gäste und kam auch gestern Abend erst um Acht von der Arbeit zurück. Ich kenne seine Erfahrung, denn in Meschede sind dringende Computerprobleme, die ich lösen musste, meistens an Festtagen aufgetreten (naja, im Rückblick erscheint es mir zumindest so). Das sage ich ihm, und er erzählt mir daraufhin einiges über die Hintergründe unseres Wasserproblems. Das Loch im Tank war nicht die einzige Ursache. Vor allem ist unser Verbrauch einfach zu viel für die Pumpe. Eine neue Pumpe hat er im April in Dar es-Salaam bestellt. Er bekam es schriftlich: 6 bis 8 Wochen Lieferzeit. Nach 8 Wochen hat er bei dem Händler angerufen: „Ja, die Pumpe ist da, Sie können kommen.“ Er fuhr also die knapp 1000 km bis Dar. „Oh, das tut mir leid. Ich habe gedacht, die Pumpe wäre bei der Lieferung aus Südafrika dabei gewesen, aber sie war nicht in dem Container.“ Mukasa hat darauf bestanden, dass der Händler sofort Abt Anastasius anruft, damit nachher kein Zweifel an der Geschichte aufkommt (diesen Teil der Geschichte hatte mir der Abt schon erzählt). Wir warten immer noch auf die Pumpe. Zum Ende sagt  Mukasa: „Jetzt schlafe ich kräftig. Um 12 gehe ich wieder zur Pumpe.“ – „Um 12 Uhr nachts ?“ – „Ja“ – Ich frage noch ein zweites Mal nach: „Um Mitternacht ?“ – „Ja.“ Ich werde mich nie wieder über seine Aushänge lustig machen.

Das Foto zeigt ein Beispiel für unseren Wasserverbrauch: Alte Tische und Stühle wurden neulich in unserem Vorgarten mit dem Wasserschlauch gereinigt. Sie standen noch tagelang dort herum und wir haben uns schon gefragt, ob sie wohl wachsen würden.

Viele Gäste – und ein paar bestätigte Vorurteile

20. August 2008

Heute feiert die Abtei Hanga ihr 50-jähriges Jubiläum. Hanga liegt ungefähr 40 km von hier entfernt und ist damals von Peramiho aus gegründet worden. Ein großer Teil der Festgäste stieg in den letzten Tagen erst einmal hier ab, fast alles Mönche unserer Kongregation von St.Ottilien (das ist ein Verband von gut 20 Klöstern weltweit). So hatte ich die Gelegenheit, von Abt Gottfried aus Inkamana, Südafrika, die Neuigkeiten über seine Schüler, die mit in Australien waren, zu erfahren, mit Br.Johannes aus Togo konnte ich ausprobieren, ob ich wirklich mein Französisch verlernt habe (leider ja, aber er spricht auch Englisch). Und die beiden Koreaner gaben die Gelegenheit, Vorurteile zu bestätigen: Sie können fast kein Englisch („Can I sing the pipe organ – Kann ich die Orgel singen ?“) und haben grundsätzlich immer eine Kamera dabei. Allerdings haben sie auch ein Vorurteil widerlegt: Sie waren nicht nur höflich, sondern sogar herzlich-freundlich. Möglicherweise hat das gemeinsame Hobby Fotografieren zur Verständigung beigetragen. Vielleicht sind auch die Gäste mit einem Vorurteil gekommen, nämlich dass in Afrika die Infrastruktur nicht funktioniert. Auch dieses wurde leider bestätigt: Das Wasser ist gestern erneut ausgefallen, zum Glück erst, nachdem ich mit dem Duschen fertig war (siehe den Artikel von gestern).

Das Foto zeigt die beiden Koreaner zusammen mit Erzabt Jeremias, der die Aufgabe hat, unsere Kongregation zusammenzuhalten. Nicht ganz einfach, da er von den sechs Sprachen, die man dazu eigentlich braucht, mindestens zwei nicht beherrscht: Suaheli und Koreanisch. Wie er sich mit den beiden verständigt hat, weiß ich nicht.

Noch ein Nachtrag: Inzwischen weiß ich, dass er sich mit seinem koreanischen Nachbarn auf Italienisch unterhalten hat. Insofern muss ich mein Vorurteil gegenüber koreanischen Sprachkenntnissen wohl doch korrigieren.

Blick auf Peramiho

23. April 2008

Am Samstag war ich rechtzeitig zu Sonnenaufgang oben auf dem Hügel Lipinyapinya. Von großartigem Naturschauspiel kann ich leider nicht reden, denn direkt hinter mir befand sich der Dieselgenerator, der den Strom für den Mobilfunkmast erzeugt. Aber den hört man auf dem Foto zum Glück nicht. Rechts von der Kirche befindet sich unsere Abtei, links von der Kirche das Kloster der Schwestern. Das Hospital liegt etwas tiefer dahinter, ist also nicht zu sehen. Der Gebäudekomplex ganz links ist die Schule.

Aberglaube lustig

4. Februar 2008

„Rosenmontag“ ist hier völlig unbekannt, daher will ich über lustige Verkleidungen wenigstens schreiben: Zur Tropenuniform der europäischen Soldaten gehörte vor gut 100 Jahren auch der Tropenhelm. Dieser Helm (ohne Uniform) kam auch bei den Zivilisten so sehr in Mode, dass man in alten Filmen oder auf alten Fotos aus den Tropen fast jeden Europäer mit Tropenhelm sieht, er war also so eine Art Zylinderhut für die Tropen. Weil aber ziemlich viele Europäer in den Tropen starben, hatte man Angst um seine Gesundheit. Und mit der Angst kam der Aberglaube. Man dachte also, ohne Tropenhelm würde der Europäer schnell einen Sonnenstich erleiden. In Peramiho achtete Abt Gallus Steiger besonders auf Fragen der Gesundheit, und so traute sich niemand, ohne Tropenhelm aus dem Haus zu gehen. Selbst nach seinem Rücktritt blieb die Vorschrift bestehen, und erst als er 1966 starb, verschwand von einem Tag auf den anderen auch der Tropenhelm aus Peramiho. Inzwischen hatte sich nämlich herumgesprochen, dass der Tropenhelm zwar nicht schädlich war, dass aber jede andere Kopfbedeckung mit breitem Rand genau so gut gegen Sonnenstich schützte. Die Schwestern auf dem Foto wären schon durch ihren weißen Schleier vollständig geschützt gewesen. Aber vielleicht hat der Tropenhelm ja doch genützt, immerhin hat Abt Gallus etwas mehr als 60 Jahre in Tansania gelebt, ist 87 Jahre alt geworden und hat mehrere 10 000 km zu Fuß zurückgelegt (Die Zahl habe ich aus dem Peramiho-Geschichtsbuch. Ich habe kurz überschlagen: Es stimmt).