Archiv für die Kategorie ‘Kenia’

„Ein Land des Friedens“

10. Februar 2009

Am 1.Februar fahren Br.Jacques und ich von Nairobi mit dem Bus Richtung Tansania. Das Radio läuft, verschiedene Sprecher verkünden, warum sie stolz sind, Kenianer zu sein. „Es ist ein freies Land, man kann überall hinreisen.“ – „Kenia ist ein Land des Friedens.“ Ich schaue Jacques an, er meint: „Hast du das gehört ?“ (Siehe den vorigen Artikel)
Insgesamt scheint mir die Stimmung in Tansania viel gelassener zu sein als in Kenia, zumindest in Nairobi. Auch fühle ich mich hier ziemlich sicher, vielleicht zu sicher. Wir steigen in Mombo, einem kleinen Ort an der Straße, aus dem Bus aus, P.Julianus holt uns mit dem Auto ab und bringt uns nach Sakarani, einer kleinen Niederlassung der Abtei Ndanda in den Usambara-Bergen auf 1600 m Höhe. Mein Handy fehlt. Im Bus hatte ich es noch. Vermutlich habe ich dann in die Außentasche meiner Kameratasche gesteckt. Beim Aussteigen in Mombo haben sich Leute um uns gedrängt, die uns irgendwelche Waren anbieten wollten …
P.Julianus, ein Afrikaner, tröstet mich: „So habe ich mich auch gefühlt, als sie in Dar es-Salaam mein Handy gestohlen haben.“

Die finsteren Seiten Kenias

30. Januar 2009

Als ich gestern Abend in Nairobi ankomme, holt Br.Jacques, der unsere Neugruendung auf Kuba leiten wird, mich am Bus ab. Br.James ist auch mitgekommen, denn es ist grundsaetzlich nicht empfehlenswert, alleine in Nairobi unterwegs zu sein, auch tagsueber nicht. Wir wohnen im Studienhaus der Benediktiner in Langata. Anfang des Monats wurde P.Pius, der Leiter des Studienhauses, am helllichten Vormittag in seinem Buero ueberfallen und ausgeraubt. Ein Priester im benachbarten Studienhaus der Consolata-Missionare wurde, ebenfalls diesen Monat, bei einem ganz aehnlichen Ueberfall ermordet.

Jacques erzaehlt mir heute Morgen von seinen Weihnachtsferien letztes Jahr: Er war im Westen des Landes auf der Rueckreise nach Nairobi. Es war die Zeit nach den gefaelschten Wahlen. Der Kandidat des Kikuyu-Stammes hatte die Wahlen angeblich gewonnen, sein Gegner vom Luo-Stamm forderte „Gerechtigkeit“. In den Wohngebieten der Luo verstand man unter „Gerechtigkeit“ das Umbringen aller erreichbaren Kikuyu. Auch Jacques sah sich von mordluesternen Luo umringt. Da er kein Luo spricht, hielt man ihn fuer einen Kikuyu. Zum Glueck schritt der Pfarrer ein, und man brachte Jacques fuer ein paar Tage ins Pfarrhaus in Sicherheit. Der Pfarrer konnte den Leuten schliesslich klarmachen, dass Jacques aus Togo stammt, aus Westafrika, Welten von Kenia entfernt. Daraufhin schlug die Stimmung um, bei der Sonntagskollekte wurde sogar fuer Jacques gesammelt. „Du meinst, dass die Leute, die dich umbringen wollten, gute Katholiken waren ?“, frage ich. - „Ja, damals haben auch viele Pfarrer ‘Gerechtigkeit’ gepredigt.“

Es gab eine Untersuchungskommission, die Namen der Politiker, die von der Kommission fuer schuldig gehalten werden, sind in einem verschlossenen Umschlag an Kofi Annan uebergeben worden. Es sind Minister der jetzigen Regierung darunter. Heute stand in der Zeitung, dass diese Minister im Amt bleiben duerfen, bis die weiteren Untersuchungen eines Sondergerichts abgeschlossen sind. Die Regierung hat natuerlich alles Interesse daran, die Untersuchungen zu lange wie moeglich zu verschleppen.

Die Kuh verkaufen

30. Januar 2009

Gestern bin ich mal wieder mit dem Bus von Dar es-Salaam nach Nairobi gefahren, Abfahrt 6 Uhr morgens, Ankunft 21:30 abends.

Bei meinem Sitznachbarn schellt das Telefon. Nach dem Gespräch schaut er zum Fenster hinaus und meint zu mir: “Alles trocken. Der Regen reicht dieses Jahr nicht aus. Eben hat mein Nachbar angerufen, er kann seine Kuh nicht mehr ernähren und möchte, dass ich sie kaufe.” – “Seine Kuh ? Dann muss er wirklich …” Er ergänzt meinen Satz: “… in Not sein.”

Nicht jeder Bauer hier hat eine Kuh, viele haben nur Huehner und Ziegen. Wenn er eine Kuh hat, dann stellt sie sicherlich seinen grossen Schatz dar, und der Verkauf bedeutet fuer ihn eine mittlere Katastrophe. Mein Sitznachbar scheint ziemlich wohlhabend zu sein, er wohnt in der Hauptstadt Nairobi, hat aber auch „eine kleine Farm“ ausserhalb der Stadt. Ich komme mir mal wieder vor wie in einer anderen Zeit: Der Reiche und sein armer Nachbar, der wegen einer Duerre in Not geraet. Im Altertum musste er seine Kinder in die Sklaverei verkaufen, im Mittelalter geriet er in die Leibeigenschaft. Heute verkauft er seine Kuh, und dazu benutzt er das modernste Kommunikationsmittel.

Kenias berühmtester Enkel

2. September 2008

Auf der kenianischen Teilstrecke meiner Busfahrt am Freitag läuft das Radio. Es scheint nur ein Thema zu geben: Barack Obama. „Obama – der Luo“, sagt ein Fahrgast. Die Luo sind einer der größten Staemme Kenias und die Gewalt nach den letzten Wahlen war in weiten Teilen ein Kampf der Luo (deren Präsidentschaftskandidat zunächst um den Sieg betrogen wurde und dann mit dem Amt des Premierministers abgefunden wurde) gegen die Kikuyu. Auch Vater Obama war Luo. „Der ist kein Luo, der ist Amerikaner wie seine Mutter“, sagt ein anderer. „Geht der Familienname nach dem Vater oder nach der Mutter ?“ – „Die Mutter hat aber den größten Einfluss auf die Kinder.“ – „Wer ist der Kopf im Haus ? Doch wohl der Vater.“ – Die Fahrgäste reden laut und heftig, auch eine Frau mischt sich in derselben Lautstärke ein. Sie sprechen aber auch recht deutlich, für mich ist es das erste Mal, dass ich einer Unterhaltung, die andere auf Suaheli führen, folgen kann. Der Vertreter der Macho-Position nimmt die Frau aufs Korn: „In der Bibel steht, dass Gott die Frau als eine Hilfe für den Mann geschaffen hat. Eine Hilfe kann sie nur sein, wenn sie auch Fähigkeiten hat. Also, welche Fähigkeiten hat die Frau ?“ Er gibt sich die Antwort gleich selbst: „Die Fähigkeiten des Hausmädchens.“ Ein anderer Mann setzt noch einen drauf: „Hilfe ist eigentlich nur ein anderes Wort für Sklavin.“ Die Frau schweigt, was soll man angesichts von so viel Dummheit auch sagen ?

Im Radio wird Obama als „Kenias berühmtester Sohn“ bezeichnet, aber da nur sein Vater Kenianer war, habe ich diese Aussage für die Überschrift etwas abgeändert.

Sheng, Europäisch und anderes Chaos

7. August 2008

Letzten Samstag sprach ich zufällig mit einer Schülerin über Kenia. Sie schien recht wenig über dieses nördliche Nachbarland zu wissen, aber das wusste sie: „Die sprechen dort schlechtes Suaheli.“ Tja, die Tansanier meinen, sie würden das beste Suaheli sprechen. Ob das so ist, sei dahingestellt. Mir fiel in Kenia jedenfalls auf, dass dort schon die Schüler deutlich besseres Englisch sprechen. Ich wurde ganz neidisch, als ich mit einigen Kenianern der sechsten oder siebten Klasse sprach und dabei an meine tansanischen Schülerinnen der elften Klasse dachte. Das führt dann aber zu dem seltsamen Effekt, dass die Kenianer ständig Englisch und Suaheli mischen, nicht nur in Gesprächen mit mir, sondern auch untereinander. Da fängt dann ein Satz auf Suaheli an und hört auf Englisch auf, für mich als Zuhörer natürlich von Vorteil. Englisch wird in Kenia übrigens „Kizungu“ genannt, was man mit „Europäisch“ oder auch mit „Sprache der Weißen“ übersetzen könnte. Was macht wohl der typische Italiener in Kenia, wenn er ständig auf „Europäisch“ angesprochen wird und kein Wort versteht ?

Typisch für die Slums in Nairobi ist aber Sheng. Auch Sheng ist eine Mischung aus Englisch und Suaheli, die aber ganz eigenen Regeln folgt. Einer der Brüder in Nairobi sagte mir: „Da gehst du durch Mathare Valley und hinter dir unterhalten sich welche, und du verstehst kein Wort.“

Das Foto zeigt die Schüler der Benediktiner-Grundschule (Klassen 1 bis 8 ) in Nairobi. Die meisten von ihnen wohnen in Mathare Valley, einem riesigen Slum.

Im Nationalmuseum

6. August 2008

Das Nationalmuseum von Nairobi (siehe den Artikel gestern) hat nicht das gehalten, was ich mir davon versprochen hatte. Dass der Besuch dort trotzdem sehr interessant war, lag an Erick, dem Freund von Br.Augustin, der mitgekommen war, um mir den richtigen Minibus zu zeigen. Da Afrikaner ihre Gäste nicht gerne allein lassen, hat er mich nicht nur bis in die Innenstadt begleitet, sondern ist auch gleich mit ins Museum gegangen. Der Eintritt beträgt für Ausländer 800 Shilling, für Einwohner Ostafrikas 400, für Bürger Kenias nur 100. Also ärgerte ich mich, dass ich meinen Pass nicht dabeihatte, aus dem ja hervorgeht, dass ich in Tansania wohne. Doch anscheinend glauben die Kenianer noch an die Ehrlichkeit des Menschen, Erick sprach mit dem Kassierer und der gab mir problemlos die Karte für 400 Shilling. Br.Augustin hatte mir gesagt, „you are minister of finance“, also zahlte ich die 100 für Erick gleich mit, was angesichts des Kurses von ungefähr 100 Shilling zu 1 Euro nicht wirklich wehtat. Wie gesagt, Afrikaner lassen ihre Gäste nicht gerne allein, also passierte das, was ich in Museen hasse: Einer der Wärter gab uns eine Führung. Doch zum zweiten Mal hatte ich mich umsonst geärgert: Das Museum stellt vor allem Gegenstände der kenianischen Volkskultur aus, und ich konnte nur völlig fasziniert beobachten, wie Erick darauf reagierte: „Auf genau so einem Instrument haben wir in der Schule auch Musik gemacht.“ – „Das sind genau die Riten in meinem Stamm.“ Schnell kamen der Führer und er ins Gespräch über die Feste im Lebenslauf, Hochzeit, Geburt, Beschneidung, und ich habe dadurch das Museum viel intensiver erlebt, als das ohne Führung möglich gewesen wäre.

Ich habe Erick noch zu einer Cola eingeladen, und dann hat er mich nicht eher verlassen, als bis ich im Minibus für die Rückfahrt saß und er dem Fahrer genau erklärt hatte, wo ich aussteigen musste (letzteres war absolut unnötig, aber Afrikaner lassen ihre Gäste halt nicht gerne allein).

Die Kamera hatte ich doch lieber zuhause gelassen (wenn ich gewusst hätte, dass Erick mich fast die ganze Strecke begleiten würde, hätte ich sie mitgenommen). Deshalb zeigt das Foto die beiden kenianischen Schülerinnen in Sydney – Brendas Kopfschmuck würde gut ins Museum passen.

Sicherheitslage

5. August 2008

Gestern hat Br.Ansgar mir gesagt, dass er in Dar es-Salaam noch nie eine Begegnung mit Verbrechern gehabt hat. Er ist Deutscher und kennt dieses Land seit 21 Jahren. Carolin und Elisabeth (siehe „Afrikanische Einheit“) hatten mich in Sydney nach irgendwelchen gefährlichen Abenteuern hier in Afrika gefragt, und zum Glück konnte ich sie enttäuschen: Ich habe kein einziges erlebt. In Nairobi (Hauptstadt von Kenia) allerdings habe ich mich nicht so richtig sicher gefühlt. Dass böse Zungen behaupten, der Name Nairobi sei eine Abkürzung für „night robbery“ (nächtlicher Raubüberfall), habe ich erst erfahren, als ich diese Stadt schon wieder verlassen hatte.

Für einen Besuch im Nationalmuseum von Nairobi wollte ich das Taxi nehmen und habe mich beim Frühstück erkundigt, was das wohl kosten könnte. Br.Augustin meinte, 50 kenianische Shilling. Nachdem ich das in 1000 tansanische Shilling und dann in 0,60 Euro umgerechnet hatte, ging mir auf, dass er wohl den Fahrpreis für den Minibus (Matatu) genannt hatte, und diesem Verkehrsmittel, vor dem ich in Dar es-Salaam wegen der Diebe gewarnt worden war, wollte ich mich eigentlich nicht anvertrauen. Doch Br.Augustin sah kein Problem. Immerhin gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Minibussen in den beiden Millionenstädten: In Nairobi beträgt das Verhältnis von Sitzplätzen zu Passagieren immer genau 1:1, während es in Dar wahrscheinlich 1:3 beträgt (zumindest nach dem Eindruck, den ich von außen gewonnen habe). Auf der Fahrt zum Museum hat mich dann schließlich ein Freund von Br.Augustin begleitet, nur auf der Rückfahrt konnte ich testen, ob ein einzelner Weißer wohl im Matatu bestohlen wird. Der Test ging natürlich negativ aus – kein Diebstahl.

Das Foto zeigt den Blick vom Busbahnhof auf die Innenstadt.

Im Land der vierzig Räuber

2. August 2008

Als ich gestern unseren afrikanischen Metzger, Br.Damas, traf, trug er eine Kappe mit dem kenianischen Wappen. Ich fragte scherzhaft: „Oh, bist du Kenianer ?“ Er antwortete mit einem ziemlich bösen Scherz: „Nein, ich bin nur einmal hingefahren, um meine Stimme bei der Wahl abzugeben“. Das war eine Anspielung auf die Dezember-Wahl in Kenia, die von Wahlfälschung und anschließender brutaler Gewalt gekennzeichnet war. Nachdem mehr als 1000 Bürger umgebracht worden waren, einigten sich die Parteien auf eine Regierung mit 40 Ministern. Warum braucht man so viele ? Damit alle „wichtigen“ Personen ein Ministeramt bekommen, in dem sie sich nach Herzenslust auf Staatskosten bereichern können. Gute Beamte folgen natürlich dem Vorbild der Regierung, und das sieht dann so aus: Sonntag vor vier Wochen, abends halb Acht. Unser total verspäteter Bus (siehe Deutsche und afrikanische Organisation) hat gerade die Grenze überquert, nach wenigen Metern in Kenia hält uns die Polizei schon wieder an. Ein Polizist steigt ein, kontrolliert jeden einzelnen Pass im Bus. Als er zu drei Vierteln durch ist, verliert unser Fahrer die Geduld (Ich bezweifle, dass er den Zeitpunkt dafür besonders gut gewählt hat): „Was soll das jetzt ? Wir wollen weiterfahren.“ Der Polizist daraufhin: „Alle nochmal aussteigen !“ Ich fühle mich an die Volkspolizei eines inzwischen untergegangenen Staates in Ostdeutschland erinnert. Allerdings fehlt diesem Polizisten anscheinend die Fähigkeit zur Einschüchterung, die seine DDR-Kollegen so gut beherrschten. Einige Fahrgäste machen zwar Anstalten, seiner Anordnung zu folgen, doch die anderen ermahnen sie, sitzenzubleiben. Dennoch steigt die Spannung, während der Polizist draußen mit dem Schaffner verhandelt. Nach ein paar Minuten trennt man sich mit lachenden Gesichtern, die Fahrt geht weiter. Hat der Schaffner bezahlt, damit der Polizist auf die zeitraubende Kontrolle verzichtet ? Dann dürfte aber eigentlich der Schaffner nicht lachen. Oder hat der Polizist einfach nachgegeben ? Dann dürfte eigentlich er nicht lachen.

Zwei Wochen vorher hatte eine junge, nett aussehende Polizistin dasselbe Spiel gespielt, allerdings in der Gegenrichtung, also auf der Fahrt von Nairobi zur Grenze. Damals war der Fahrer sichtbar empört gewesen, es war klar, dass er hatte zahlen müssen, um nicht für lange Zeit am Weiterfahren gehindert zu werden. Kenia steht im Korruptionsindex auf der zweitschlimmsten Stufe, eine Stufe unter Tansania.

Das Foto zeigt eine andere Seite Kenias, aufgenommen aus dem Bus: Endlose Steppen, darin ein paar Punkte, nämlich die Massai und ihre Rinder. Es heißt, auch die Massai würden sich gerne als Räuber betätigen, vor allem als Viehräuber.

Tigoni – wie der Name schon sagt

27. Juni 2008

Mittwoch Abend in Nairobi angekommen, Donnerstag Mittag schon fertig mit allen Formalitäten. Da trifft es sich gut, dass P.Florian mir über den Weg läuft. Der nimmt mich im Auto mit nach Tigoni. Tigoni liegt 30 km von Nairobi entfernt, und dort befindet sich ein Benediktinerkloster, das vor 30 Jahren von Peramiho aus gegründet wurde. Bevor wir abfahren, fragt er noch, ob ich genug zum Anziehen habe. Klar doch, in Nairobi habe ich ja auch nicht gefroren, und Tigoni liegt doch in der Nähe. Ich hätte es mir denken können, wenn ich über den Namen „Tigoni“ nachgedacht hätte. Die örtliche Bevölkerung hat nämlich Schwierigkeiten mit dem Z, eigentlich müsste der Name Tizoni heißen, und das ist nicht irgendeine Stammessprache, sondern Englisch: „Tea zone“ (Tee-Gebiet). Und wo diese leckere Pflanze wächst, da ist es kalt und neblig. Tigoni liegt um 2000 m über dem Meer, Litembo übrigens 1600 m. Da wächst Kaffee, der es gerne etwas wärmer hat als Tee.

Der Abend und die Nacht (mit dicken Decken) sind noch erträglich, am nächsten Morgen leiht P.Florian mir noch eine warme Jacke, trotzdem werde ich nicht warm. Schließlich entdecke ich dann doch einen Raum, den ich sonst nur aus Geschichtsbüchern kenne. In mittelalterlichen Klöstern hieß er „Calefactorium“ („Warm-Mach-Raum“). Da brennt ein Feuer im Kamin und von Zeit zu Zeit kommt ein Mönch herein, um sich aufzuwärmen – so muss es im Mittelalter auch gewesen sein.

Außer der Kälte werde ich aber sicher auch die guten Gespräche mit P.Florian in Erinnerung behalten. Am Freitag Nachmittag geht es in Begleitung von Br.George, einem afrikanischen Mönch, mit dem Matatu (siehe „Diebstahl, Unfälle und Betrug“) wieder zurück nach Nairobi, am Samstag zurück nach Dar es-Salaam mit dem Bus.

Auf dem Foto der Innenhof des Klosters, links ist eine Mauer der Kirche zu erkennen.

Afrikanische und australische Pünktlichkeit

27. Juni 2008

Warum ich letzte Woche plötzlich nach Nairobi musste, habe ich bereits geschrieben („Weltjugendtagschaos“). Zunächst aber habe ich von Samstag Abend bis Mittwoch Morgen drei ganze Tage und vier Nächte in Dar es-Salaam verbracht – so lange war ich diesen Monat selten an einem Ort, wie der Leser (die Leserin) vielleicht gemerkt hat.

In Nairobi wohnt Sr.Placida, die für die Netzwerkarbeit unter allen Benediktinerschulen in Afrika zuständig ist. Sie holt mich nicht nur vom Bus ab, sondern hat mir auch eine Unterkunft besorgt und einen Termin am nächsten Morgen (Donnerstag) um 9:30 Uhr bei der australischen Botschaft (in Tansania gibt es keine australische Botschaft). Bevor wir aber losfahren, ist noch Verschiedenes zu erledigen, unter anderem muss ein Brief des Bischofs bestätigen, dass wir wirklich zum Weltjugendtag wollen. Den Brief haben wir dann um 11 Uhr. Genau zu dieser Zeit schließt die Visumsabteilung der Botschaft. Ich denke, dann werden wir uns wohl um einen neuen Termin morgen bemühen müssen. Doch wir fahren trotzdem zur Botschaft. Sr.Placida hat schon die Visa für die Schulen in Kenia und Uganda dort beantragt, die Wachleute kennen sie und scherzen mit ihr: „Du bist aber spät dran.“ Wir kommen in die Schalterhalle, der Vorhang bei den Visa ist geschlossen. Aber der öffnet sich gleich darauf, und wir werden freundlich bedient.

Auf der Rückfahrt erklärt Sr.Placida mir: Vor ihrem ersten Termin in der Botschaft hatte sie Platz 76 auf der Warteliste. Damit wäre sie viel zu spät an die Reihe gekommen. Dann hat sie einen Freund angerufen. Der ist kenianischer Politiker und hat gute Kontakte zur Botschaft …

Das Foto ist in der Grundschule „St.Scholastica’s Academy“ entstanden, wo Sr.Placida Rektorin ist. Diese Schule umfasst 3 Jahre Kindergarten und anschließend 8 Schuljahre.