Nachdem ich am Sonntag hier über José Martí geschrieben hatte, sah ich am Montag endlich in einem Antiquariat in der Innenstadt seine Versos Sencillos („Schlichte Verse“) für 5 CUC, die mir unser Spanischlehrer empfohlen hatte, und griff auch gleich zu seinem „Edad de Oro“ („Goldenes Zeitalter“), der Geschichtensammlung, die unser kubanischer Gast empfohlen hatte. In letzterem stand ein Preis von 25 CUC, der mir doch ziemlich „golden“ vorkam. Auf mein „Das ist aber teuer“ ging der Händler gleich mit einer Preissenkung um 20 % ein, erklärte aber, das Buch sei kostbar, weil es sich um die dritte Auflage von 1940 handle. Ich öffnete mein Portemonnaie, gab ihm 22 CUC und
stellte dann fest, dass ich außer einem 100-CUC-Schein nur noch viele ganz kleine Münzen hatte. Als ich anfing, diese Münzen herauszusuchen, sagte der Händler, „Lassen Sie nur, ich brauche das Geld nicht.“
Die drei CUC, auf die er so schnell verzichtete, entsprechen immerhin knapp 3 Euro, oder 75 Peso der nationalen Währung oder 5 guten, ganzen Ananas, 50 Mangos, 12 Laiben Brot oder 187 Busfahrten.
Der Koch, der uns im Moment in der Küche hilft, wollte gar nicht bezahlt werden. Nur das Benzin für sein Auto für die Fahrten zu uns sollte ich ihm bezahlen. Ich habe also in der ersten Woche geschätzt, was er wohl an Benzin brauchen würde, und gebe ihm seitdem jede Woche diesen Betrag. In der ersten Woche war er zweimal täglich zu uns gefahren, seitdem nur noch einmal täglich für ungefähr eine Stunde am Nachmittag. Ich vermute also, dass ihm durchaus etwas übrigbleibt,
und zwar pro Monat ungefähr so viel, wie seine Frau verdient, die dafür den ganzen Tag als Chefköchin in der Küche des Bischofshauses steht.