Immer mal wieder entfernen wir stinkende Plastiktüten aus unserem Vorgarten. Ich schaue normalerweise nicht hinein. Heute aber war die Tüte während ihres Fluges über den Zaun aufgegangen und hatte ihren Inhalt, einen großen, stinkenden Fisch freigegeben.
„Das geht nicht gegen uns, das liegt vor anderen Kirchen genauso,“ sagt P.Emmanuel mir, als ich mit Ekel im Gesicht vom Fotografieren (siehe oben) zurückkomme.
Ich weiß, denn es handelt sich mal wieder um ein Tieropfer der Santeria. Über diese Religion mit sowohl afrikanischen als auch katholischen Wurzeln habe ich schon berichtet.
Die Tieropfer gelten afrikanischen Gottheiten, aber sie werden grundsätzlich vor katholischen Kirchen abgelegt. Dieselben Figuren in diesen Kirchen, die nach katholischer Interpretation Heilige darstellen, stellen nämlich im Verständnis der Santeria ihre Gottheiten dar.
Am Anfang habe ich eine Religion, die die Kirchen einer anderen Religion benutzt, für ziemlich dumm gehalten. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es sich um einen ganz genialen Trick handelt. Die Afrikaner, die als Sklaven nach Kuba verschleppt worden waren, durften nur in katholischen Kirchen beten. Und durch die andere Interpretation der Heiligen-Statuen konnten sie trotzdem ihre eigene Religion ausüben und so ihre Identität bewahren.
Erst 1886, vor 123 Jahren, wurde die Sklaverei in der spanischen Kolonie Kuba abgeschafft. Noch heute trifft man auf ihre stinkenden Hinterlassenschaften.








