Die Busgesellschaften geben sich gerne schoene Beinamen. Sumry, mit denen ich morgen wieder fahren werde, nennt sich „High Class“. Andere „Royal Class“ oder „Princess Class“. Wer meine letzten Artikel zum Busfahren gelesen hat, denkt vielleicht, es sollte eher „Third Class“ heissen. Aber nein: Die Fahrt von Dar bis Songea kostet 35.000 Shilling, ungefaehr 20 Euro. Fuer den Arbeiter auf der Farm von Peramiho waeren das drei Wochenloehne. Die Reisenden sind also eher wohlhabend und gebildet. Im Juni habe ich waehrend der Mittagspause den Chefarzt von Peramiho getroffen. Mein Sitznachbar auf der Fahrt nach Kenia vor einem Monat erzaehlte mir, dass er am liebsten in Madrid Urlaub macht, das sei die schoenste Stadt, die er kenne. Er ist Rentner und war frueher Pilot. Mein freundlicher junger Nachbar von gestern arbeitet als Computerexperte fuer das UN-Gericht, das in Arusha die Verfahren gegen die Voelkermoerder von Ruanda durchfuehrt. Mit ihm habe ich auch ueber die Probleme gesprochen, die unsere Schuelerinnen mit der englischen Sprache haben. Diese Probleme hatte er frueher auch, und damit sein Kind es besser hat, hat er es auf eine „English Medium School“ geschickt, wo schon in den Grundschuljahren Englisch die Unterrichtssprache ist. Dafuer zahlt er 1.200.000 Shilling im Jahr, 800 Euro, Unterkunft und Verpflegung im Internat eingeschlossen. Das ist das Sechsfache von dem Preis unserer Schule in Peramiho oder zwei Monatsgehaelter eines Lehrers in Peramiho. Was sollen Eltern mit neun Kindern machen, wie z.B. die Eltern von P.Christian (siehe „Man muss doch aufpassen …“) ?
Gestern bei der letzten Pause vor Dar laufe ich etwas vor, um meine Beine zu bewegen. Ein Minibus steht vor uns im Stau, die Passagiere sitzen und stehen dicht gedraengt. Der Mann, der in der offenen Tuer stehen muss, gruesst mich freundlich, es ergibt sich ein kurzes Gespraech: Er kommt auch aus Nairobi. Verglichen damit habe ich keinen Zweifel mehr: Mein Bus ist wirklich „Full Luxury“, steht ja auch dran.




