Der Chor, bei dessen Jahreshauptversammlung ich gestern war, setzt sich aus den Schülern und Schülerinnen unserer Schule und der Berufsschule zusammen. Ein paar Lehrer sind als Betreuer dabei, und ich habe drei Monate lang unseren Br.Alfons als Betreuer aller Schüler-Vereine vertreten, während er zur Fortbildung war. Seit einer Woche ist Alfons zurück, insofern ist mir nicht ganz klar, wieso ich auch eingeladen worden bin. Immerhin wurde erwähnt, dass ich als Betreuer gute Arbeit geleistet hätte. Man erfährt halt immer wieder was Neues, ich hatte mit dem Chor bis gestern nämlich überhaupt nichts zu tun.
Es gibt nach den Reden der Lehrer wieder Musik und Tanz, gegen 12:15 Uhr beuge ich mich zu Br.Alfons: “Ich gehe jetzt zum Mittagsgebet und Essen.” – “Hier gibt’s gleich auch was zu essen, du kannst hierbleiben.” Aus irgendeinem Grunde zweifle ich an Alfons, bleibe aber trotzdem. Um Viertel nach Eins werden dann zwanzig Minuten Pause angekündigt, von Essen keine Rede und keine Spur. Doch – es gibt Hoffnung für meinen Magen, der seit sechs Stunden nichts gekriegt hat: Der Vorsitzende lotst uns Lehrer zum Speisesaal am anderen Ende der Schule. Eine Schülerin bringt Wasser zum Händewaschen, dann gibt es eine Flasche Cola und ein paar kleine Fleischhäppchen. Als sie wieder mit dem Wasser kommt, überlege ich, ob ich den heutigen Artikel vielleicht unter die Überschrift “Und es gibt hier doch Hunger” setzen soll. Ich vermute, dass die Schüler sich inzwischen an Ugali satt gegessen haben, während wir Lehrer das bessere Essen gekriegt haben, nur halt zu wenig.
Weit gefehlt: Um 14:15 Uhr kommen wir zurück zum Festsaal, und da steht – für Lehrer und Schüler – ein Festessen auf dem Tisch: Zwei Sorten Reis, gebackene Bananen, Tomatensalat, zwei Sorten Fleisch.
Nochmal ein Foto von dem Feuerschlucker, der mal wieder ein Vorurteil bestätigt hat: Manche Afrikaner haben eine unglaubliche Körperbeherrschung.