Wer den „Goldminen“-Artikel in „Publik-Forum“ nicht gelesen hat, wird sich beim Lesen der folgenden Absätze wahrscheinlich langweilen. Aber zu einigen Aussagen aus dem Artikel muss ich einfach etwas sagen.
So heißt es in dem Artikel, die Tutzinger Missionsbenediktinerinnen hier würden „Distanz zum Kloster der Mönche“ halten. Ich arbeite jetzt seit einem Monat an der Schule, deren Trägerschaft bei den Benediktinerinnen liegt, habe mehrfach mit der Priorin und der Cellerarin (Verwaltungschefin) gesprochen, kenne die Zusammenarbeit im Computerbereich aus meinem eigenen Erleben, in anderen Bereichen aus Gesprächen: Von „Distanz“ ist da nichts zu merken, es erinnert mich eher an ein Dorf, in dem jeder jeden (und jede) kennt, und wo man sich auch gegenseitig hilft, ohne dafür gleich eine Rechnung zu schreiben (wir erhalten von den Schwestern z.B. kein Geld für unsere Tätigkeit an der Schule).
Der Artikel beschäftigt sich lange mit der Verantwortung von Abtprimas Notker, der jetzt als oberster Repräsentant aller Benediktiner der Welt in Rom sitzt, bis 2000 aber als Erzabt von St.Ottilien die oberste Verantwortung für unseren Klosterverband trug. Nur: Die einzelnen Abteien der Benediktiner sind selbständig. Daher ist Peramiho, genau wie Meschede auch, alleine für die eigenen Finanzen verantwortlich. Abtprimas Notker hat also gar keine Verantwortung für die Finanzen von Peramiho. An dieser Stelle hat der Autor des Artikels am deutlichsten gezeigt, dass er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, die einfachsten Dinge nachzuprüfen.
Dann steht im Artikel noch, Peramiho sei „finanziell pleite“: Wenn das so wäre, hätte ich es wohl schon gemerkt. Wenn ein Betrieb pleite ist, wird er nicht mehr beliefert, weil die Lieferanten befürchten, dass sie ihr Geld nicht sehen würden. Die Lager hier sind aber voll. Im Moment gibt es wenig Wasser in den Flüssen, d.h. das Wasserkraftwerk muss immer wieder abschalten. Dann wird hier der Generator angeschaltet, der teuren Diesel frisst. Insgesamt wird hier eher sparsam gelebt, aber ich habe noch an keiner Stelle bemerkt, dass irgendwelche alltäglichen Dinge knapp wären (außer natürlich die zahlreichen Dinge, die man hier einfach nicht kaufen kann, aber das ist ein anderes Thema, ich werde irgendwann mal über „Haarshampoo und Schokolade“ schreiben). Fazit: „Pleite“ sieht ganz anders aus.
Ich habe von dem langen Artikel nur die Punkte herausgegriffen, zu denen ich aus eigener Erfahrung schreiben kann. Kurz: Der Artikel überzeugt mich nicht. Kein Wunder: Der Autor des Artikels war „natürlich“ nicht hier in Peramiho, sein Gewährsmann war 2004 10 Tage lang hier. Wenn jemand mehr wissen will: Auf der Homepage von St.Ottilien befindet sich eine Presseerklärung. Wäre es fair, hier auch noch ein Link auf den Artikel zu setzen ? Die Frage stellt sich nicht mehr, denn der Artikel steht inzwischen nicht mehr im Netz.